Gabriel Argy-Rousseau

1885 Meslay-le-Vidame, Frankreich  – 1953 Paris


Der Franzose gehört zu den wichtigsten Künstlern, die sich zu Beginn des 20. Jahrhundert mit Objekten aus Pâte de Verre, einer speziellen, in der Herstellung aufwendigen Glaspaste, einen Namen machten. Schon als Schüler war Gabriel Argy-Rousseau sehr vielseitig interessiert. Nach dem Besuch der Ecole Breguet machte er seinen Abschluss an der renommierten Ecole National de Céramique de Sèvres, der dem Titel eines Ingenieurs gleichkam. Während seiner Studienjahre lernte er nicht nur die künstlerischen und technischen Grundlagen, sondern auch die Personen kennen, die für seinen beruflichen Werdegang von entscheidender Bedeutung waren: Platon Argyriadès, den Bruder seiner zukünftigen Ehefrau sowie Henri Cros und seinen Sohn Jean, die Pioniere und führend in der Wiederentdeckung und Herstellung von Pâte de Verre waren.

Zunächst arbeitete und forschte er jedoch für eine Firma für Zahnporzellan und Kermaik, bevor er sich dann 1914 dazu entschied, eine Werkstatt für Objekte aus Pâte de Verre zu eröffnen. Ein Jahr zuvor hatte er Marianne Argyriadès geheiratet, die aus einer sehr kultivierten griechischen Familie stammte. Als Anerkennung ihres intellektuellen Einflusses ergänzte er seinen Familiennamen Rousseau mit den ersten vier Buchstaben ihres Familiennamens und nannte sich fortan an Gabriel Argy-Rousseau.

Von Anfang an standen florale Elemente sowie Motive aus der griechischen Klassik im Zentrum seines Schaffens. Gleich auf seiner erste Ausstellung im Jahr 1914, der Exposition des Artistes Francais, reagierten Publikum und Kritiker sehr positiv, und auch nach dem Ersten Weltkrieg konnte Argy-Rousseau an seine ersten Erfolge nahtlos anknüpfen. Aus seiner Werkstatt gingen Vasen, Schalen und Lampenfüße in komplex gestalteten Farbgebungen hervor. Die Begegnung mit dem Pariser Galeristen Gustave Moser-Millot im Jahr 1921 befeuerte die Expansion seines Unternehmens zusätzlich. Im Dezember desselben Jahren gründeten sie die ‚Société Anonyme de Pâte de Verre‘ mit Moser-Millet als Hauptanteilseigner, während Argy-Roussea als Geschäftsführer und künstlerischer Direktor fungierte. Eine exklusive und lukrative Geschäftsbeziehung ging Argy-Rousseau mit dem Hersteller von Puderdosen und Parfumzerstäubern Marcel Franck ein. Mitte der 1920er Jahre verkaufte Maison Argy-Rousseau die handwerklich aufwendigen und höchst dekorativen Objekte in der ganzen Welt, von Europa über Nordafrika bis hin nach Lateinamerika.

Argy-Rousseau modellierte seine skizzierten Ideen zunächst in Gips. Von diesem Modell wurde dann in mehreren Arbeitsgängen im verlorenen Guss eine feuerfeste Hohlform aus mehreren Teilen erstellt. Als nächstes produzierte er sein eigenes Glas, das zu Pulver zerstampft und durch die Beigabe von Metalloxiden gefärbt wurde. Mit Hilfe von feinen Pinseln wurde die jetzt flüssige, mehrfach gewaschene, Glasmasse exakt auf die Wände der feuerfesten Form aufgetragen. Es folgten nach und nach zwei weitere Schichten, mit denen Festigkeit erzeugt und gleichzeitig das Entstehen von Luftblasen verhindert werden sollte. Die letzte Schicht bestand aus Harz, um die Glaspaste weiter zu fixieren. Die sogenannte Model wurde dann kopfüber in einen Holzofen verfrachtet, wo das Stück dann bei hohen Temperaturen gebrannt wurde. Nach dem Abkühlen wurde die Form entfernt, das nun feste Objekt mit Säure gereinigt und die letzten Unebenheiten mit dem Rad wegpoliert. So entstanden diese wunderbaren, durchsichtigen und gleichzeitig farbenfrohen, zart wirkenden Objekte.

Zeit seines Lebens war Gabriel Argy Rousseau’ ein unermüdlicher Erfinder, nicht nur als Künstler. Während des Ersten Weltkrieges hatte er zahlreiche Patente iangemeldet. 1927 wurde er für seine Erfindung der ‚Sofort-Farbphotograpahie‘ von der Société d’Encouragement au Progrès ausgezeichnet.

Infolge der Weltwirtschaftskrise wurde die Firma auf Betreiben von Moser-Millot 1931 geschlossen. Argy Rousseau gelang es jedoch, Teile des Firmenmaterials zu kaufen, womit er einen Neuanfang mit einem eigenen Studio in Paris wagte. Trotz eines schönen Repertoires an Objekten konnte er jedoch nicht an seine Erfolge der 1920er Jahre anknüpfen.

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