Lucio Fontana

1899 Rosario de Santa Fe  – 1968 Comabbio/Varese


Fontana wurde 1899 in Argentinien als Sohn einer italienische Künstlerfamilie geboren, die 1905 nach Mailand übersiedelte. Zu Argentinien hatte Fontana eine lebenslange Bindung und kehrte dorthin zu mehreren jahrelangen Aufenthalten in den 1920er und 1940er Jahren zurück. Fontana arbeitete nach seiner Ausbildung eine Zeit lang im Atelier seines Vaters, der Bildhauer war, bevor er von 1914 - 1915 in Mailand an der Baugewerbeschule studierte. Ab 1918 arbeitete er als Bauingenieur. Ende der 1920er Jahre begann Fontana erneut im Atelier seines Vaters zu arbeiten, nun aber überwiegend als Bildhauer. Der Kunst sollte nun sein Hauptaugenmerk gelten und so studierte er wiederum an der Mailänder Kunstakademie Bildhauerei. Nach seinen ersten Ausstellungen beteiligte er sich 1930 an der 17. Biennale in Venedig. Seit 1935 wandte er sich Keramikarbeiten zu und arbeite unter anderem für die Manufaktur Sèvres. Im Jahre 1947 initiierte er das „Manifesto Bianco“, indem er die Abkehr von den traditionellen Materialverwendungen propagierte und eine Verbindung der verschiedenen Kunstgattungen wie Bildhauerei, Malerei, Musik und Lyrik anstrebte. Diesen Vorsatz führte er 1948 mit der Gründung der Künstlergruppe „Movimento Spaziale“ („Raumkunst“) weiter, wodurch die statischen Kunstformen durch dynamische Prozesse abgelöst werden sollten. Das Werk sollte allein aus der Vorstellungskraft des Betrachters entstehen und von jeglicher künstlerischer und richtungsweisenden Definition befreit werden. Fontana wollte dies durch die Perforation von Bildern, die somit eine dreidimensionale Wirkung hervorrufen, erreichen. Sowohl in der Malerei als auch in der Skulptur sollte der dargestellte Raum als selbstbestimmt und in kontinuierlicher Entwicklung betrachtet werden. Seinen Bildern gab Fontana nun die Titel „Concetto Spaziale“ („Raumkonzept“). Im Jahre 1949 folgte eine konsequente Wandlung in seinem Kunstschaffen: Er begann die Leinwand mit Löchern und dann ab 1958 mit Schnitten zu gestaltete. Fontana erreichte durch die Zerstörung des Maluntergrunds die Integration dessen als Teil des Kunstwerks selbst, anstatt die Leinwand als bloßen Farbträger anzusehen. Auf diese Weise entwickelte sich seine Kunst weg von der traditionellen Malerei hin zur Konzeptkunst und schuf die Grundlagen für Gruppen wie ZERO und Strömungen wie den Nouveau Réalisme oder der Arte Povera. Durch seine bekannteste Werkgruppe, den Bilder mit vertikalen Einschnitten, erhielt die Leinwand eine ganz neue Bedeutung in der Malerei und wird neben Farbe nun auch mit Licht und Form gestaltet.


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