Auktion 182B

RADIKAL SCHÖN
Bedeutendes Design aus einer privaten Sammlung

17. Juni 2026 um 15:00 MESZ

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Vorbesichtigung
11. Juni 2026 10:00 - 18:00
12. Juni 2026 10:00 - 18:00
13. Juni 2026 13:00 - 17:00
14. Juni 2026 13:00 - 17:00
15. Juni 2026 10:00 - 18:00


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Wenn am 17. Juni knapp 260 Lose unter dem Titel ‚Radikal Schön. Bedeutendes Design aus einer privaten Sammlung‘ zum Aufruf kommen, steht neben einer wunderbaren Auswahl internationaler Designklassiker auch die Geschichte einer leidenschaftlich aufgebauten Sammlung eines deutschen Sammlerehepaares im Mittelpunkt. Ein Beweggrund der beiden erfolgreichen Design-Liebhaber, die über einen Zeitraum von vierzig Jahren auf der Suche nach ihren persönlichen Lieblingsstücken Galerien besuchten, Kataloge studierten und Reisen unternahmen, war die Freude an Objekten mit einer klaren Haltung und einer überzeugenden erzählerischer Kraft. Einige Objekte der Sammlung wurden in der Vergangenheit in Museen ausgestellt, waren Teil der Expo in Hannover im Jahr 2002 und zu sehen in einem preisgekrönten Kurzfilm, den man über QR-Codes im Auktionskatalog in Sequenzen einsehen kann. „Nach vierzig Jahren Sammeltätigkeit schicken wir unsere Lieblingsstücke zurück in die Welt, in der wir sie gefunden haben.“

In der Zusammenschau bietet die zu versteigernde Sammlung ein beeindruckend vielschichtiges Panorama internationaler Designgeschichte. Das amerikanische Mid-Century-Design ist mit 20 Losen von Charles und Ray Eames vertreten. Das Designerpaar prägte die Formensprache des 20. Jahrhunderts entscheidend. Zu den Top-Losen zählt ‚La Chaise‘, ein 1948 für einen Wettbewerb des Museum of Modern Art in New York entworfener Sessel, der erst ab 1991 in Serie produziert wurde. Das angebotene Exemplar von Vitra aus fiberglasverstärktem Kunststoff, verchromten Stahlstäben und Eichenholz wird mit € 3.200 - 4.000 geschätzt. Gerade frühe Eames-Modelle sind wegen ihrer besonderen Materialwirkung und Haptik bei Sammlern gesucht. Der 'PAW - Stuhl' (Pivoting Armchair Wood) mit einer frühen Zenith Schale ist auf € 1.500 - 2.000 taxiert, der 'PKW-2' (Pivoting K-Wire on wooden base) auf € 2.000 - 2.500.

Einen der Schwerpunkte bildet das Werk von Ettore Sottsass, dem Grandseigneur des italienischen Designs. Sottsass’ Karriere führte von der Zusammenarbeit mit Olivetti über den Entwurf vieler keramischer Objekte bis zur Gründung der Gruppe Memphis im Jahr 1980/1981. Seine Entwürfe verbinden architektonische Klarheit mit dem Einsatz von Farbe, um oftmals eine symbolische Zeichenhaftigkeit zu erzielen. In der Auktion ist Sottsass unter anderem mit dem Schrank ‚Nairobi‘ vertreten, einem Entwurf um 1989 für Zanotta. Die rot und schwarz lackierte Holzkastenkonstruktion ist handschriftlich bezeichnet und wird mit € 4.200 - 5.000 taxiert. Ebenfalls aus seiner Hand stammt der Fernseher ‚Memphis 1 TVC 26‘, 1980 für Brionvega entworfen, mit grün-schwarzem Laminat und Herstellerbezeichnung. Der Schätzpreis liegt bei € 3.000 - 3.500.

Ein Klassiker der Designgeschichte ist die von Ettore Sottsass und Perry A. King entworfene Reiseschreibmaschine ‚Valentine‘ für Olivetti. Das 1969 entstandene Modell gilt bis heute als Inbegriff eines innovativen Produktdesigns. Während die rote Variante weltberühmt wurde, sind andere Farbausführungen deutlich seltener. Die blauen und grünen ‚Valentine‘-Schreibmaschinen, wie sie in der Auktion zu Schätzpreisen von je € 2.500 - 3.000 angeboten werden, kamen nur in den Olivetti Ausstellungsräumen in Italien (grün) und Frankreich (blau) zum Einsatz und waren ursprünglich nicht für den Weiterverkauf bestimmt.

Eine eigene Position innerhalb der Sammlung nimmt Gufram ein. Die italienische Marke übersetzte in den 1960er und 1970er Jahren Pop Art und Inspirationen der künstlerischen Avantgarde in Wohnobjekte. Besonders ikonisch ist der Kleiderständer ‚Cactus‘ von Guido Drocco und Franco Mello, entworfen 1972, bestehend aus Polyurethanschaum mit grüner Guflac-Beschichtung. Zwei dieser außergewöhnlichen Exemplare kommen in der Auktion zum Aufruf zu Schätzpreisen von € 3.000 - € 3.800; eines der beiden ist noch originalverpackt und kommt mit Original Zertifikat.

Ebenfalls von Gufram stammt das Sitzobjekt ‚Torneraj‘ von Giorgio Ceretti, Pietro Derossi und Riccardo Rosso, ein Entwurf von 1969. Das rot-weiß lackierte Objekt aus Polyurethanschaum verbindet skulpturale Präsenz mit überraschendem Sitzkomfort und steht exemplarisch für jene experimentelle Haltung, die italienisches Radical Design so unverwechselbar macht. Der Schätzpreis beträgt € 3.000 - 4.000.

Mit Achille Castiglioni ist eine der großen Leitfiguren der italienischen Nachkriegsmoderne vertreten. Castiglioni verstand es, technische Präzision und den Charme von Alltagsobjekten miteinander zu verbinden. In der Sammlung befinden sich Arbeiten wie die Stereoanlage ‚RR126‘ in drei farblich unterschiedlichen Ausführungen zu Schätzpreisen von € 2.000 -3.000 sowie der Outdoor-Hocker ‚Allunaggio‘; Schätzung € 600 - 700.

Auch die teilweise futuristisch anmutenden Entwürfe von Joe Colombo sind zahlreich in der Auktion vertreten: Seine Möbel der 1960er und frühen 1970er Jahre illustrieren sein Bestreben nach einem mobilen Wohnen. Deutlich wird dies bei Colombos ‚Tube Chair‘, 1969 für Flexform entworfen. Der Sessel besteht aus vier unterschiedlich dimensionierten, gepolsterten Röhren, die ineinander gesteckt und in einem Leinensack transportiert werden können. Das angebotene Exemplar mit originalem Verpackungssack wird mit € 4.000 - 5.000 bewertet.

Der Kosmos von Memphis ist prominent vertreten. Die 1980/1981 gegründete Mailänder Gruppe um Sottsass, Michele de Lucchi, Marco Zanini und Matteo Thun schrieb Designgeschichte mit bunt laminierten Flächen und einer demonstrativen Abkehr vom Funktionalismus. Aus diesem Umfeld stammen unter anderem Arbeiten von Shiro Kuramata, dessen Schreibtisch ‚Ritz‘ in der originalen Transportkiste von Memphis erhalten blieb, sowie die Tischleuchte ‚Astor‘ von Thomas Bley, dem einzigen deutschen Designer im Kreis von Memphis.

Eine weitere herausragende Position nimmt Gaetano Pesce ein. Der Tisch ‚Sansone II‘, 1987 für Cassina entworfen, wird mit € 5.000 - 6.000 taxiert. Ebenfalls angeboten wird das monumentale Sitzobjekt ‚UP7 - Il Piede‘, 1969 für B&B Italia entworfen. Der überdimensionierte Fuß aus schwarz beschichtetem Polyurethanschaum ist Möbel, Skulptur und Pop-Statement zugleich; der Schätzpreis liegt bei € 2.000 - 4.000.

Das Angebot umfasst zudem Entwürfe von Dieter Rams, Hans Gugelot, Richard Sapper, Mackintosh, Rietveld, um nur einige weitere zu nennen. Wir freuen uns, Sie in der Vorbesichtigung der Auktion vom 11. bis 15. Juni zu begrüßen.