Biografie

Cesare „Joe“ Colombo war einer der visionärsten Designer des 20. Jahrhunderts in Italien. Er studierte Malerei an der Brera Akademie sowie Architektur am Polytechnikum Mailand. Seine Karriere begann Colombo zunächst als Maler und Bildhauer im Rahmen des „Movimento Nucleare“, einer von Enrico Baj begründeten Kunstrichtung, die sich mit Fragen des nuklearen Zeitalters auseinandersetzte. Nach dem Tod seines Vaters wandte Joe Colombo sich Ende der 1950er Jahre durch den Kontakt zu Bruno Munari dem Industriedesign zu.

Colombo verstand sich als Designer der Einrichtung von morgen. Seine Entwürfe waren von der Überzeugung geprägt, dass Möbel sich an wechselnde Bedürfnisse und Raumsituationen anpassen sollten. Ein Paradebeispiel für Colombos radikalen Designansatz ist dabei der ’Tube Chair’ aus dem Jahr 1969. Dieser besteht aus vier zylindrischen und unterschiedlich großen Elementen, die mit elastischem Bezugsmaterial überzogen sind. Da sich diese Elemente beliebig konfigurieren lassen, kann das Möbelstück flexibel als Sessel, Liege oder sogar als improvisiertes Bett verwendet werden. Daneben entwarf Colombo eine Reihe weiterer ikonischer Möbelstücke, die bis heute prägend erscheinen . Besonders hervorzuheben ist der ‚Elda‘ (1965), ein großzügiger und drehbarer Armlehnsessel, der Komfort und futuristische Ästhetik der Space Age Ära verbindet. Schon früh integrierte Colombo Technik in seine Wohnwelten. Ein Paradebeispiel für seinen umfassenden Ansatz ist das für ihn selbst konzipierte Appartment in Mailand, welches 1971 in der Zeitschrift DOMUS präsentiert wurde. Weißer Kunststoff, Acrylglas sowie schwarze Farbakzente dominieren die 90 qm modular gestaltete Wohnung mit flexiblen Trennwänden. Zentrale Elemente sind ein Bett, das sich wie ein Kokoon schließen lässt, um Privasphäre herzustellen sowie ein Küchenblock, in den ein ausziehbarer Tisch und Sitze, Kochgeärte sowie Beleuchtung integriert sind.

Obwohl Colombo nur 41 Jahre alt wurde, schuf er zahlreiche wegweisende Entwürfe: Zu seinen wichtigsten Auszeichnungen zählen der Compasso d’Oro für den ‚Spider‘-Stuhl (1967) und die Klimaanlage ‚Candyzionatore‘ (1970) sowie der In/Arch Award (1964) für die Innenarchitektur des Hotels Pontinental auf Sardinien. 1962 entwarf er zusammen mit seinem Bruder Gianni die berühmte Acrilica-Leuchte für Oluce, für die er 1964 die Goldmedaille der 13. Mailänder Triennale erhielt. Seine Werke sind in bedeutenden internationalen Museen ausgestellt, darunter das MoMA in New York, das Musée des Arts Decoratifs in Paris und das Design Research in Cambridge.


Objekte von Joe Colombo