Auktion 180B
Schools of Design
10. Dezember 2025 um 15:00 MEZ
Katalog
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Download Im Auktionskatalog online blätternDen Auftakt unserer diesjährigen Highlightauktion „Schools of Design“ bildet ein Ensemble von außergewöhnlicher kunsthistorischer Bedeutung. Das von Henry van de Velde für Else von Guaita-Lampe entworfene Mobiliar (Kat. Nr. 395 - 404) zählt zu den eindrucksvollsten Beispielen jener engen Verbindung zwischen künstlerischer Vision und persönlicher Beziehung, die das Werk van de Veldes prägt. Der belgische Künstler entwarf für seine frühere Schülerin ein in sich geschlossenes Interieur, das sein Ideal des Gesamtkunstwerks beispielhaft verkörpert. Nach Stationen im Besitz der Familie Kröller-Müller und ihres Beraters Sam van Deventer wird dieses Ensemble nun vollständig in unserem Showroom in der Theresienstraße 58 präsentiert.
Mit dem Empfangszimmer von Peter Behrens aus dem Jahr 1906 folgt ein weiteres herausragendes Kapitel der frühen Moderne. Das für die Dritte Deutsche Kunstgewerbeausstellung in Dresden entworfene Ensemble zeigt die klare architektonische Handschrift Behrens’, der hier bereits jene formale Geschlossenheit entwickelte, die seinen späteren Übergang zur Industriearchitektur vorbereitete. Die vierteilige Einrichtung aus dem Empfangszimmer, taxiert auf 50.000EUR bis 70.000EUR, verdeutlichen eindrucksvoll den Anspruch, Architektur und Interieur als harmonische Einheit zu begreifen.
Eine absolute Rarität ist der 1919 von Gerrit Rietveld entworfene Hoge Stoel (Kat. Nr. 423), ein Entwurf, der erstmals 1920 in der Zeitschrift De Stijl publiziert wurde. Weltweit sind nur zwei weitere ähnliche Exemplare bekannt – eines im Centraalmuseum in Utrecht, ein weiteres in einer japanischen Sammlung. Das hier angebotene Stück zeigt jene für die niederländische Avantgarde typische Klarheit von Form und Proportion, die bis heute als Sinnbild der De-Stijl-Bewegung gilt. Aufgerufen wird der wohl zwischen 1919 und 1923 gefertigte Stuhl mit 46.000EUR.
Einen weiteren Meilenstein des frühen funktionalen Designs stellt der Lattenstuhl von Marcel Breuer dar. Der 1902 in Pécs geborene Gestalter entwickelte den Entwurf während seiner Lehrzeit in der Tischlereiwerkstatt des Bauhauses Weimar um 1922. Die hier angebotene zweite Version zeichnet sich durch den Einsatz von Holzlatten gleichen Querschnitts und eine verstärkte Rückenlehne aus – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Breuers späteren konstruktiven Innovationen mit Stahlrohr.
Mit dem „Chieftain Chair“ von Finn Juhl (Kat. Nr. 466) aus dem Jahr 1949 präsentiert die Auktion eines der ikonischsten Sitzmöbel des skandinavischen Designs. Inspiriert von moderner Kunst und archaischen Formen, verbindet Juhl in diesem Entwurf organische Linienführung mit präziser handwerklicher Konstruktion. Der angebotene Sessel wurde in den frühen 1970er Jahren von Ivan Schlechter in Kopenhagen angefertigt und markiert den Übergang zu einer neuen, skulpturalen Formensprache, die das dänische Design international bekannt machte.
Ein besonderes Kapitel der Auktion ist der italienischen Postmoderne gewidmet. Die Mailänder Bewegung Alchimia, gegründet 1976 von Alessandro Guerriero und seiner Schwester Adriana, stellte mit ihren Entwürfen den funktionalistischen Modernismus radikal infrage. Alessandro Mendini, einer ihrer prägenden Vertreter, verstand Design als künstlerischen Prozess und Ausdruck individueller Handschrift. Der angebotene Tisch und Stuhl „Spaziale“ (Kat. Nr. 502 und 503) wurden 1982 in der Ausstellung La stanza da manuale in Bologna gezeigt und sind charakteristische Beispiele für die ironisch-poetische Haltung der Gruppe. Geschätzt sind beide Positionen mit je 40.000EURbis 60.000EUR.
Mit der Umkleide „Hysterie“ des australischen Designers Marc Newson von 1992 wird die Linie der großen Designikonen bis in die Gegenwart fortgesetzt. Die aus Aluminium gefertigte, auf Rollen montierte Kabine wurde als Sonderanfertigung für die Frankfurter Boutique Hysterie entworfen, von der insgesamt nur drei Exemplare existieren. Sie zeigt bereits jene futuristisch-organische Formensprache, die Newsons späteres Werk entscheidend prägen sollte.
Angeboten werden zudem fünf Objekte aus der ‚Folly‘-Serie (Kat. Nr. 557 bis 561) von Dan Friedman. Die um 1992 von Alessio Sarri Cheramiche hergestellten Objekte sind wendbar und somit vielseitig einsetzbar; ob als Skulptur oder Blumentopf avancieren die Terracota-Gefäße zum Blickfang.
Abgerundet wird das Angebot durch ein Kapitel zu Gaetano Pesce, dessen Arbeiten für ihren expressiven Charakter und ihre humorvolle Individualität stehen. Mit dem Tisch „Sansone II“ (Kat. Nr. 520) taxiert auf 6.000EUR bis 8.000EUR, sowie zwei „Nobody’s Chairs“ aus der Kooperation von Zerodisegno und Etro (2003) wird Pesces Credo sichtbar, jedes Objekt als Unikat zu begreifen – ein idealer Ausklang für eine Auktion, die mehr als ein Jahrhundert Designgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt umfasst.
Nachbericht zur Auktion 'Schools of Design' am 10. Dezember 2025
Reich an bedeutenden Entwürfen war unsere diesjährige Auktion 'Schools of Design', die einen Bogen spannte vom Jugendstil bis hin zu aktuellen Entwürfen des 21. Jahrhunderts. Henry van de Velde, ein bedeutender Wegbereiter des modernen Designs, war mit einem Esszimmer-Ensemble, Silberobjekten sowie seltenen Schmuckstücken vertreten, die fast ausnahmslos auf ein reges Interesse bei spezialisierten Sammlern und Museen gefunden haben .
Insbesondere die Entwürfe des niederländischen Architekten und Designers Gerrit Rietveld regten zu spannenden Bietgefechten an. Der äußerst seltene Armlehnstuhl ‚Hoge Stoel‘, zwischen 1919 und 1923 angefertigt, wechselte für einen Zuschlag von 65.000,-€ den Besitzer. Von ebenso großem Interesse war die Losnummer 422, eine geometrisch-abstrakte Deckenleuchte ‚L40‘. Mit einem Zuschlagspreis von 27.000,-€ versiebenfachte sich der angesetzte Limitpreis von 4.000,-€.
Auch im italienischen Design ließen sich hervorragende Ergebnisse erzielen; die Tischleuchte ‚Pallavah‘ von Ettore Sottsass (Los 528) erfreute sich großer Beliebtheit - bei 3.600,- € fiel schließlich der Hammer für einen österreichischen Privatsammler. Der erstmals 1982 in der Ausstellung ‚La stanza da manuale‘ in Bologna präsentierte Stuhl und Tisch ‚Speziale‘ (Lose 502 und 503) von Alessandro Mendini wechseln nun für je 30.000,-€ den Besitzer.
Seit einiger Zeit erfreuen sich die Entwürfe des Designer-Duos Elizabeth Garouste und Mattia Bonnetti großer Beliebtheit. Heiß umkämpft zeigte sich die extravagante Tischleuchte ‚Masque‘. Mit 5.000,- € angesetzt, fiel der Hammer nach einem lebhaften Bietgefecht schließlich bei 15.000,-€ und geht an einen Bieter auf unserer Platform Quittenbaum Live.
Alle unverkauften Objekte sind bis zum 09. Januar 2026 in unserem Nachverkauf erhältlich. Quittenbaum Kunstauktionen freut sich, Sie im März 2026 zu unserer nächsten Design-Auktion begrüßen zu dürfen.