Biografie
Wilhelm Lehmbruck zählt zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der Klassischen Moderne. Er wurde 1881 in Meiderich, dem heutigen Duisburg, geboren und besuchte von 1895 bis 1899 die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. 1901 nahm er an der dortigen Königlichen Kunstakademie ein Studium der Bildhauerei bei Karl Janssen auf. Seine Ausbildung war zunächst von einer naturalistischen und klassizistischen Formensprache geprägt. Eine wichtige Anregung bedeutete für ihn die Begegnung mit den Arbeiten Auguste Rodins auf der Internationalen Kunstausstellung in Düsseldorf 1904. Nach Abschluss seines Studiums im Jahr 1906 bezog Lehmbruck 1907 sein erstes eigenes Atelier in Düsseldorf. Im selben Jahr wurden vier seiner Werke im Pariser Salon gezeigt; auch in den folgenden Jahren beteiligte er sich regelmäßig an Ausstellungen in Paris.
1910 übersiedelte Lehmbruck mit seiner Frau Anita, die er 1908 geheiratet hatte, nach Paris. Die Jahre in der französischen Hauptstadt wurden für die Entwicklung seiner eigenständigen bildhauerischen Sprache entscheidend. Angeregt insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Auguste Rodin und Aristide Maillol rückte die menschliche Figur in den Mittelpunkt seines Schaffens. Seine Plastiken entfernten sich zunehmend von der naturalistischen Wiedergabe und zeichnen sich durch klar aufgebaute Körperformen, veränderte und zunehmend gelängte Proportionen sowie eine verinnerlichte, oftmals melancholische Haltung aus.
In seinen Pariser Jahren erlangte Lehmbruck auch zunehmend internationale Anerkennung. Seine Werke waren unter anderem im Salon der Société Nationale des Beaux–Arts, bei der Berliner Secession und 1912 auf der Sonderbund-Ausstellung in Köln zu sehen. 1913 wurde die ‚Kniende‘ auf der Armory Show in den USA präsentiert. Die Ausstellung, die Stationen in New York, Chicago und Boston hatte, trug wesentlich zur Vermittlung der europäischen Moderne in den Vereinigten Staaten bei.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte Lehmbruck 1914 nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin nieder. Er wurde nicht zum Fronteinsatz herangezogen, arbeitete jedoch zeitweise in einem Hilfslazarett in Berlin-Friedenau. In den Kriegsjahren veränderte sich seine Formensprache hin zu einem stärker expressiven, fragmentarischen und reduzierten Ausdruck. Ende 1916 zeigte die Kunsthalle Mannheim eine umfangreiche Einzelausstellung, anschließend übersiedelte Lehmbruck mit seiner Familie in die Schweiz. In Zürich stand Lehmbruck in engem Austausch mit Schriftstellern und Künstlern, darunter Fritz von Unruh und Albert Ehrenstein. Anfang 1919 kehrte er nach Berlin zurück. Am 24. Januar wurde er zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt. Nur wenige Wochen später, am 25. März 1919, nahm sich Wilhelm Lehmbruck im Alter von 38 Jahren das Leben. Sein in nur rund zwei Jahrzehnten entstandenes Œuvre nimmt mit seiner Verbindung von abstrahierter Körperform und psychischem Ausdruck eine zentrale Stellung innerhalb der modernen Skulptur des frühen 20. Jahrhunderts ein.
Objekte von Wilhelm Lehmbruck
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Skulptur 'Kleiner weiblicher Torso (Hagener Torso)', circa 1910/11 (wohl späterer Guss)
Schätzpreis: 8.000 € - 12.000 €
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Verkauft