Max Ingrand

1908 Bressuire  – 1969 Paris


Einer der größten Glaskünstler des 20. Jahrhunderts war der 1908 im französischen Bressuire geborene Max Ingrand. Neben Leuchten, Spiegeln, Möbeln, Glasbildern und kunstvollen Glaspaneelen mit figurativen Gravuren und Malereien für repräsentative Innenausstattungen von Villen, Palästen und Passagierschiffen wie der berühmten ‚Normandie‘, schuf er großartige Glasfenster in einer innovativen, teils expressionistischen Formensprache für zahlreiche Kirchen in Frankreich, darunter Sainte-Agnès de Maison-Alfort und Notre Dame in Paris. Schon als Kind begeisterten ihn die Glasfenster der gotischen Kathedrale von Chartres, wo er mit seiner Familie eine zeitlang wohnte. Nach einem Studium an der Ecole nationale supérieure des arts décoratifs in Paris arbeitete er zunächst als Glasmaler in der Werkstatt von Jacques Gruber, einer der Mitbegründer der Ecole de Nancy und berühmt für seine Bleiglasfenster. Ingrand experimentierte dort mit Techniken der Glasbearbeitung wie dem Ätzen und dem Sandstrahlen, um neue Oberflächeneffekte zu erzielen. 1931 heiratete Ingrand die Künstlerin und Glasmalerin Paulette Rouquié, mit der er fortan gemeinsam unter dem Künstlernamen Paule et Max Ingrand arbeitete. In den Dreißigerjahren stellten die beiden einige hochgelobte Projekte auf den Salons des artistes décorateurs aus. Gleichzeitig gründete Ingrand 1931 mit den Glasmalern Emile Schwartz und Paul Demane seine erste Firma ‚Studium‘, dann 1932 eine zweite Firma, deren Werkstatt sich in der Passage Tenaille 8, unweit des Friedhofs von Montparnasse befand, wo Max Ingrand bis zu seinem Tod 1969 arbeitete. Glas gehörte wie Beton und Metall zu den Materialien der modernen Formensprache des Art Déco in der Architektur und im Interiordesign. Zu Ingrands Auftraggebern gehörten die renommiertesten Innenausstatter und Architekten wie André Arbus, Jules Leleu, Jean Royère und andere. Ingrand und seine Frau realisierten großformatige Glasbilder mit sandgestrahlten und versilberten Bildkompositionen für private Auftraggeber in Bukarest, Tokio, Jew Jersey, Buenos Aires und Bombay. Zu seinen Themen gehörten mythologische Szenen, aber auch abstrakte Formen. Unterbrochen wurde seine Karriere durch den Zweiten Weltkrieg, in dem er als Gefangener in Hoyerswerda untergebracht wurde. Danach folgten erneut große Aufträge für Kirchen, Institutionen und private Auftraggeber. Für Frankreichs älteste industrielle Glasfirma Saint-Gobain arbeitete er ab 1950 als künstlerischer Leiter. 1954 konnte Gio Ponti Max Ingrand als künstlerischen Leiter für seine 1932 gegründete Firma Fontana Arte gewinnen, eine Position, die er bis 1967 innehatte. Einer der berühmtesten Lampenentwürfe ist die in weißem sandgestrahlten Glas gefertigte Tischleuchte ‚1853‘, die noch heute produziert wird.


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