Los: 720
Franz von Stuck (1863 Tettenweis - 1928 Tetschen)
Skulptur 'Reitende Amazone', 1897/98 (Guss 1903)
Bronze, schwarz patiniert. H. 36,0 cm (mit Sockel 65,0 cm). Vorne mittig am Sockel bezeichnet: FRANZ STVCK (geprägt), hinten auf der oberen Profilkante Gießerstempel: GUSS C. LEYRER MÜNCHEN.
Die Figur der Amazone, Sinnbild eines kriegerischen Frauenideals aus der antiken Mythologie, nimmt im Œuvre Stucks eine herausragende Stellung ein. Erstmals begegnet sie uns 1897, in einer Phase, in der sich der Künstler intensiv mit den Entwürfen für seine eigene Villa beschäftigte. Der unbekleidete Körper der Amazone, die ohne Sattel reitet, erscheint bis an die Grenze gespannt und zugleich von fließender Beweglichkeit geprägt. Die jugendliche Reiterin ist mit stark zurückgelehntem Oberkörper auf einen nicht sichtbaren Gegner ausgerichtet und befindet sich in einem Spannungsgefüge aus Aktion und Gegenaktion, das durch ein Geflecht aus Linien, Diagonalen und formalen Entsprechungen verstärkt wird. Zur klar gefassten, strengen Umrisslinie tritt die glatte, kompakte Durchbildung des Körpers, zur Bewegung die konzentrierte Ausdruckskraft der Gesten. In der formalen Ausarbeitung strebt Stuck nach einem ausgewogenen Gleichgewicht und präsentiert dem Betrachter eine bevorzugte Ansicht, in der sich der ornamentale Rhythmus von Reiterin und Pferd besonders wirkungsvoll entfaltet. Mit dieser Skulptur formuliert er eine Münchner, neoklassizistisch geprägte Ausprägung des Jugendstils. Die später nach diesem Modell im Auftrag des Kölner Kunstvereins geschaffene lebensgroße Version – zugleich seine erste monumentale Plastik – wurde im Jahr 1913 aufgestellt. Heute existieren noch drei solcher Großplastiken der Amazone, von der Kleinplastik sind mindestens 20 Exemplare dokumentiert.
Speer an der Hand restauriert, Gussfehler am Sockel neben dem rechten Vorderhuf. Provenienz: Süddeutscher Privatbesitz.
Zuschlag: 44.000 €
25. März 2026 um 18:00 MEZ
Literatur:
U.a. Ausst.-Kat. Franz von Stuck, Slg. der Villa Stuck, München, 1982, S. 184, Nr. 135; Ausst.-Kat. Kleinplastik und figürliches Kunsthandwerk aus den Beständen des Münchner Stadtmuseum, München 1974, Kat.-Nr. 114, S. 80; Ausst.-Kat. „Die Kraft des Mannes und die weiche Schmiegsamkeit des Weibes". Franz von Stuck: Das plastische Werk, 23. und 24. Jahresausstellung Franz von Stuck Geburtshaus Tettenweis 2013, Kat. Nr. 55, S. 169.
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