Los: 1042

Matthias Weischer (1973 Elte - lebt und arbeitet in Leipzig)
'Studio', 2005

Öl auf Leinwand. 55,0 x 85,0 cm (21¾ x 33¾ in) (Leinwand), 61,0 x 91,2 cm (Rahmen). Verso signiert: M. Weischer und datiert: (20)05 (schwarzer Faserstift). In einem hölzernen Schattenfugenrahmen gerahmt.

Provenienz: Galerie EIGEN + ART, Berlin; Christie's, Post-War and Contemporary Art (Evening Sale), 20. Juni 2007, Los 99; Privatsammlung; Geoffrey Diner Gallery, Washington, D.C..

Ausstellungen: Venedig - 51. Biennale Internazionale dell'Arte di Venezia, The Experience of Art, Juni - September 2005; Aachen - Ludwig Forum für Internationale Kunst, Matthias Weischer. Malerei, Februar - März 2006.

Zuschlag: 34.000 €

169E - Moderne Kunst
29. Juni 2023 um 16:30 MEZ

Literatur:

Konferenzschrift Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung: Matthias Weischer, Köln 2005, S. 83; Kat. Ausst. Matthias Weischer - Malerei, Painting (hrsg. von Markus Stegmann), Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, 13. Mai - 12. August 2007, Kunsthalle Mannheim, 22. September 2007 - 1. Januar 2008, Gemeentemuseum Den Haag, 12. Januar - 13. April 2008, Ostfildern 2007, S. 143.

Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Künstler Matthias Weischer absolvierte sein Malerei- und Grafikstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) und beendete dieses im Jahr 2000 mit Diplom. Im Anschluss war er drei Jahre lang Meisterschüler bei Sighard Gille. Im Jahr 2002 schloss er sich mit zehn anderen ehemaligen Studierenden der HGB zusammen, um mit Christian Ehrentraut als Galerist die Produzentengalerie Liga ins Leben zu rufen - daraus resultierend prägte sich der Begriff „Neue Leipziger Schule“. Nach zwei erfolgreichen Schaffens- und Ausstellungsjahren der Künstlergruppe auf dem Werksgelände der alten Baumwollspinnerei in Leipzig wurde die Kollaboration der Liga eingestellt, die Erfolgsgeschichte Weischers nahm hingegen weiterhin an Fahrt auf. Er wurde von Judy Lybke, welcher schon ein Jahrzehnt zuvor Neo Rauch auf dem amerikanischen Kunstmarkt etabliert hatte, und dessen Galerie EIGEN+ART vertreten. 2004 wurde Weischer für das Förderprojekt der Rolex Mentor und Meisterschüler Initiative mit keinem Geringeren als David Hockney an seiner Seite ausgewählt; es folgten gegenseitige Besuche der beiden Künstler und Weischer fühlte sich von seinem britischen Vorbild inspiriert. Als Teenager begann Weischer mit dem Zeichnen und Malen, mit 32 erhielt er den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung und wurde bereits in diesem jungen Alter auf dem Sekundärmarkt gehandelt. Seine Werke wurden auf Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland wie in Miami, London oder auf der 51. Biennale in Venedig gezeigt. Und auch Weischer selbst zog es hinaus: 2007 verließ er Leipzig für ein Stipendium in der Villa Massimo in Rom; mit dem Umzug erweiterte sich zudem sein Œuvre mit bis dato vorherrschenden Interieurs um Landschaftsdarstellungen. Matthias Weischer entwarf nach seiner Rückkehr nach Deutschland Bühnenbilder für die Ruhrfestspiele sowie die Mannheimer Oper und widmete sich in der Malerei erneut der Darstellung von Innenräumen.

Weischer zieht Blicke der Betrachter in Raumausschnitte. Oftmals wirken die kargen und vor allem menschenleeren Wohnräume durch die Muster von Tapeten und Teppichen oder das Design der Einrichtungsgegenstände wie Arrangements aus den 50er oder 60er Jahren, so bei Ohne Titel von 2004. Der pastose Farbauftrag breitet sich über die Kanten der Leinwand aus und lässt die Haptik der Oberfläche wahrnehmbar werden. An anderer Stelle wirken die Bildsegmente schwebend leicht, sie kontrastieren und betonen die wulstige braune Farbschicht, die sich nach oben hin durch den Einsatz von hellen zarten Tönen aufzulösen scheint, sich auf der Unterseite jedoch gar in den Raum hineindrückt. Ebenfalls stehen die mit Ornamenten versehenen Flächen den schmucklosen, modernen, abgewohnten Wänden und dem Boden gegenüber. Tektonischen und gerasterten Ebenen setzt er Farbe und Verspieltheit entgegen.
In anderen Szenen wie bei 'Studio' von 2005 sieht der Betrachter einen Teil eines Künstlerateliers mit dicken, dunklen Holzbalken, die nahezu aus allen Richtungen aus der Wand treten und aufgrund ihres Verlaufs durch den Raum die malerische Tiefenwirkung unterstreichen. Im Gegensatz dazu stehen die flächigen Gemälde mit geometrischen, farbigen Kompositionen, die an den Wänden des Künstlerstudios lehnen. Matthias Weischer verbindet verschiedene Epochen und Stile. Elemente aus der Vergangenheit sind in seinen Arbeiten präsent, und doch ist es kein nostalgisches Abbild vergangener Tage. Es entstehen neue Bildwelten, die den Betrachter fesseln. Treten Sie ein!