Los: 499

Adolph Amberg
Kerzenleuchter aus dem Hochzeitszug, 1908

Adolph Amberg Berlin, KPM

Sechsflammig. Über leicht glockigem Stand sich abgesetzt steil erweiternder Schaft, am Ansatz in Blätter und Früchte einer Dattelpalme übergehend, daraus hervorwachsend stengelartige Bronzearme, die die runden Tüllen und Tropfschalen halten. Als Bekrönung ein unbekleidetes, essendes kleines Mädchen auf einer Blüte sitzend. H. 61 cm, Ø 43 cm. Ausführung: KPM Berlin, 1912. Porzellan, weiß, glasiert, vergoldete Bronze. Bez.: Zepter (blau, unter Glasur), Jahresbuchstabe M, O, 1H (geprägt).

Zuschlag: 3.800 €

159C - Jugendstil - Art Déco Teil II
17. November 2021 um 15:00

Literatur:

Bröhan-Museum Berlin, Berliner Porzellan vom Jugendstil zum Funktionalismus, Berlin o. J., Nr. 186; Treskow, Die Jugendstil-Porzellane der KPM Berlin, München 1971, Nr. 188 (Archivfoto).

Der Hochzeitszug von Adolph Amberg

Nach der Bekanntmachung der Verlobung von Kronprinz Wilhelm von Preussen und Cecilie von Mecklenburg-Schwerin beschloss der preussische Städtetag am 7. November 1904 dem kaiserlichen Paar ein gemeinsames Hochzeitsgeschenk zu machen. Man einigte sich darauf, wie bereits 1881 für Kaiser Wilhelm II, einen Tafelaufsatz in Silber in Auftrag zu geben. Ende des Jahres 1904 legte der gelernte Silberschmied und Bildhauer Adolph Amberg neben anderen seinen Entwurf zu einem Tafelaufsatz vor. Dieser wurde vom Hof allerdings postwendend abgelehnt. Theodor Schmuz-Baudiss, künstlerischer Leiter der KPM Berlin, schrieb etwas später in einer nicht näher bestimmten „privaten Aufzeichnung“: „Ihrer Majestät der Kaiserin (Auguste Viktoria, FY) deuchten nämlich diese Figuren zu nackt zu sein“ (zit. nach Treskow, Die Jugendstil-Porzellane der KPM Berlin, München 1971, S. 130, Anmerkung 410). Auch wenn das deutsche Kaiserhaus Ambergs Entwurf ablehnte, erkannten seine Zeitgenossen dennoch die Qualität und Innovation der unterschiedlichen, lebensnahen und ausdrucksvollen Figuren aus verschiedenen Erdteilen und so kam es dazu, dass die Königl. Porzellan-Manufaktur Berlin die Modelle drei Jahre später ankaufte und nach und nach, zunächst in den Jahren 1908 bis 1910, produzierte. Als der gesamte Hochzeitszug dann zum ersten Mal komplett auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1911 gezeigt wurde, war er bereits ein internationaler Erfolg (Treskow, S. 109).