Auktion 157F

Perlenfieber. Perltaschen und Perlarbeiten aus deutschem Privatbesitz

02. Juli 2021 um 15:00


Vorbericht

Perlenfieber! Perltaschen und Perlarbeiten aus einer privaten deutschen Kollektion – ein Augenschmaus für Sammler*innen und Fashionistas

Hin und wieder fällt uns ein Schatz in die Hände. Eine Sammlung, die allein durch die Leidenschaft eines einzigen Menschen entstehen konnte. Am 2. Juli versteigert Quittenbaum eine einzigartige Kollektion von 500 Perltaschen - wunderschöne, kunstvoll gefertigte Täschchen, Beutel und Clutches mit Perlen verziert, in den unterschiedlichsten Mustern und Farbkombinationen. Manche Taschen zeigen florale Dekore in Pastelltönen, Landschaften oder Jagdszenen, andere sind im Stile des Art Déco mit eleganten, geometrischen Mustern in leuchtenden Farben gestaltet. Zwei Exemplare lassen sich der Wiener Werkstätte zuordnen. Die Vielfalt ist großartig. Die meisten Exemplare sind sehr gut erhalten, da sie in Schubladen und Schränken gut gehütet wurden. Aber es spricht nichts dagegen, diese als modische Accessoires zu tragen. Das Konvolut wird unter anderem ergänzt durch Etuis für Brillen, Zigaretten und Visitenkarten, durch Halsschmuck, Perlbilder, Brieftaschen und Serviettenringe.

Die Sammlerin, eine Kunsthistorikerin, konzentrierte sich bei der Auswahl auf gehäkelte und gestrickte Taschen des 19. und 20. Jahrhunderts, und ihre Kollektion verdeutlicht die enge Beziehung zwischen Perlenarbeiten und der Geschichte der Handtasche als modisches Accessoire. Von Anfang des 19. Jahrhunderts an bis in die 1960er Jahre wurden Handtaschen mit Perlen gestaltet – das zeigen die Perlbeutel und Bügeltaschen aus der Zeit des Biedermeier, die Handtaschen aus Stahlbrillanten und die modischen Abendtaschen der Goldenen 20er und der Nachkriegszeit sowie eine perlenbestickten Fendi-Shoppingbag, die die italienische Modefirma als Exklusiv-Entwurf in Kollaboration mit dem Modemagazin Vogue zum Jubiläum gestalten ließ und die zu den Highlights der Auktion zählt.

Die Geschichte von perlendekorierten Objekten und Stoffen ist lang. Bereits im Mittelalter und über die Neuzeit hinweg wurden kunsthandwerkliche Objekte und Gebrauchsgegenstände mit kleinen Glasperlen bestickt. Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Pompadours mit einfachen Mustern verziert. Im Laufe der Zeit wurden diese Muster immer aufwendiger gestaltet und oft in Heimarbeit nach Mustervorlagen hergestellt, während parallel dazu ein eigener Industriezweig entstand, der heute in Vergessenheit geraten ist. Die Beliebtheit der Perlenstickerei war zwar stets den Modetrends unterworfen, verschwand aber zu keinem Zeitpunkt ganz aus der kunstgewerblichen Produktion.

Perltaschen findet man in Kunstgewerbemuseen und sie erfreuen sich bei Sammler*innen großer Beliebtheit. Das heißt aber nicht, dass diese nicht getragen werden können. Florale Dekore greifen die Muster von Trachten auf oder dienen schlichten Dirndln als Eyecatcher. Auch zu aktuellen Mode-Trends, inspiriert von den Serien „Bridgerton“ und „Babylon Berlin“, passen diese Vintage-Accessoires. Die Perltaschen spiegeln nicht nur die Mode vergangener Zeiten wider. Wenn man sich dazu entscheidet sie zu tragen, werden sie zu Statements unseres eigenen individuellen Modestils.