Los: 325

Louis C. Tiffany
Tischleuchte 'Apple Blossom', um 1904

Louis C. Tiffany Tiffany Studios, New York

In Form eines in voller Blüte stehenden Apfelbaumes. Weiter, drapierter Schirm mit unregelmäßigem Rand über Bronzefuß mit reliefiertem Stamm und weit verzweigtem Wurzelwerk. H. 75 cm, Ø 64,5 cm. Vielfarbiges, kupferverbleites 'Favrile'-Glas, teilweise mehrschichtig und mit eingeschlossenen Plättchen, teils opaleszent, teils marmoriert. Sechsflammiger Fuß in dunkel patinierter Bronze. Schirm bez.: TIFFANY STUDIOS NEW YORK. Fuß bez.: TIFFANY STUDIOS NEW YORK, S 168, 351 (geprägt), 9794 (schwarz, handschriftlich).

Zuschlag: 110.000 €

150B - Jugendstil - Art Déco
26. Mai 2020 um 15:00

Literatur:

Alastair Duncan über diese Tischleuchte 'Apple Blossom' New York im Februar 2020

Diese Leuchte ist ein außergewöhnliches Beispiel für das große Apfelblütenmodell, das von den Tiffany Studios um 1904 eingeführt wurde. In der Preisliste, die am 1. Oktober 1906 veröffentlicht wurde, erscheint sie als "Modell #351, Apple Blossom stand and base, $425". Mit diesem Preis platzierte sie sich in der obersten Reihe der teuersten Leuchten der Firma und übertraf viele der anderen berühmten Entwürfe, wie z.B. die Wisteria (Modell #342) mit $400,00.

Der in seiner Weite mit unregelmäßig gewelltem unteren Rand beeindruckende Schirm besteht aus über 2.000 kleinen Glasstücken; sein dichter, umlaufender Dekor ergibt sich aus einem Muster, das viermal wiederholt wird. Diese raffinierte, arbeits- und kostensparende Strategie fällt dem Betrachter, der aus jeder Perspektive höchstens etwa die Hälfte des Schirms sehen kann, nicht weiter auf.

Drei Abteilungen der Firma waren an der Herstellung beteiligt: zunächst wählte eine so genannte 'Selektorin' in der Frauenabteilung aus dem unendlichen Bestand an Platten in ihren Glasregalen Stücke aus, die die aufwendig gemischten und nuancierten Farben, Schattierungen und Oberflächen für jede der botanischen Komponenten des Schirms bilden sollten: Blütenblätter, Blumenkronen, Staubblätter und Zweige. Nach der Auswahl wurden die Platten an einen männlichen Glasschneider ('Cutter') geliefert. Dessen Aufgabe war es, mit Hilfe einer Metallschablone die Glasstücke für jedes der vier Elemente des Entwurfs zuzuschneiden und zu nummerieren. Von dort aus wurden die Stücke auf einem Wagen zu einem Mitglied des Lampenmontageteams geschafft, das sie in Kupferfolie einwickelte, bevor die Stücke mit größter Sorgfalt an ihrer spezifischen Stelle in der Holzform des Modells angebracht wurden, um die Übergänge der Farben in Einklang zu bringen und damit eine maximale ästhetische Wirkung in den angrenzenden Bereichen des Entwurfs zu gewährleisten.

Eine genaue Untersuchung des Schirms dieser Leuchte zeigt, dass er mehrere der von den Glasbläsern in den Tiffany-Studios beherrschten signifikanten Techniken aufweist, darunter eine Variante, die als "Konfetti" bezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um die Wiederbelebung einer alten venezianischen Technik, bei der heißes, flüssiges Glas auf eine Wälzplatte ('Marver') aufgerollt wird, auf der bereits unregelmäßige, hauchdünne Farbglasscherben verstreut sind, sodass sie mit der Unterseite des Glases verschmelzen. Die Fülle von Konfetti-Glas, hier sogar mit limonengrünen und rotbraunen (purpurbraunen) Tönen, verleiht dem Schirm eine höchst realistische Wirkung. Die Firma nutzte diese für den Hintergrund ihrer schönsten Blumenfenster und Lampenschirme, um dem Betrachter den trompe-l'oeil-Eindruck zu vermitteln, er könne durch das Blattwerk der Pflanze hindurch und darüber hinaus in die unmittelbaren Bereiche ihres erdfarbenen Hintergrunds blicken.

Im Schirm findet man auch meliertes Glas, das charakteristischste und sofort erkennbare der vielen Sorten in Tiffanys Glasrepertoire, das aber am schwierigsten herzustellen ist, da es eine strenge Temperaturkontrolle erfordert. Im Wesentlichen wird das chemische Fluor in stark zähflüssige, auf Blei basierende Glasschmelzen gegossen, was, wenn bei unterschiedlichen Temperaturen getempert wird, unterschiedliche Oberflächen- und Innenmuster erzeugt. Beim Apfelblüten-Lampenschirm wird die Sprenkelung am deutlichsten in der tief marmorierten, zweifarbigen Palette innerhalb der grünen Blätter sichtbar.

Das verschlungene Bronzenetz aus geschwärzten Zweigen, das den Schirm bekrönt, bildet die Natur in ihren knorrigen und leicht zerklüfteten Oberflächendetails nach. Durch seine Durchlässigkeit kann die Wärme der Edison-Glühbirnen im Schirm nach oben entweichen. Die vertikalen Rillen im säulenförmigen Stamm des Baumes laufen nach unten aus und bilden die Wurzeln auf dem runden Stand.

Der hier abgebildete blühende Apfelblütenbaum ist genauso, wie er in den Vereinigten Staaten in seiner Frühlingspracht erscheint, zunächst mit opak-rosa Blütenblättern, die im Laufe der Jahreszeit in gestreiftes oder gesprenkeltes Weiß übergehen.

Es ist nicht bekannt, wer die Leuchte entworfen hat, es handelt sich möglicherweise um Clara Driscoll, die Leiterin der Frauenabteilung der Firma, der mehrere der frühesten floralen Lampenschirmmodelle der Firma zugeschrieben wurden, darunter die Modelle Pfingstrose, Pfeilkraut, Geranie und Glyzinie. Wer auch immer die Apfelblüte kreiert hat, ist jedoch vielleicht auch nicht so wichtig, da alle Entwürfe letztendlich von Herrn Tiffany selbst genehmigt werden mussten, der sich bis zur Jahrhundertwende als bewährter Kolorist und Gärtner etabliert hatte, einer, der die Natur als seine Muse begrüßte.

Alastair Duncan

Duncan, Louis C. Tiffany, The Garden Museum collection, Woodbridge 2004, S. 285; Koch, Louis C. Tiffany's Glass-Bronzes-Lamps, New York 1971, S. 132, Nr. 209, S. 169 (Preisliste von 1906).