Otto Künzli

1948 Zürich – lebt in München


„Schmuckstücke sind. Schmuck geschieht. Mich interessieren Dinge, die geschehen.“ (Hufnagel 2013, S. 166). Dieses Zitat Künzlis ist bezeichnend für sein künstlerisches Schaffen, das von der Neugier an der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Objekt, wie auch von seinem Interesse am Material und dessen Überführung in Schmuckstücke geprägt ist.

Otto Künzli zählt zu den renommiertesten Autorenschmuck-Künstler_innen von internationalem Rang. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen Museen weltweit, sowie in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen. Zudem wurden ihm renommierte Auszeichnungen wie den Goldenen Ehrenring der Hanauer Gesellschaft für Goldschmiedekunst oder auch den Schweizer Kulturpreis verliehen. Der Weg Otto Künzlis zum Schmuckkünstler begann 1965, als er zunächst eine fünfjährige Ausbildung an der Metallklasse der Kunstgewerbeschule, der späteren Hochschule der Künste, in Zürich, absolvierte. 1972 ließ er sich schließlich mit Therese Hilbert, die sich wie Künzli dem Autorenschmuck verschrieb und in diesem Feld ebenfalls einen bedeutsamen Namen erlangte, in München nieder.

Dort wurde er zu einem der bedeutendsten Akteure der Münchner Autorenschmuck-Geschichte. So erfuhr er von 1972 bis 1978 eine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste München in der Klasse für Gerät und Schmuck unter der Leitung von Hermann Jünger, die er schließlich 1991 selbst übernahm und bis 2014 führte. Demnach entwirft Otto Künzli nicht nur selbst Autorenschmuck, sondern hat auch zahlreiche Schmuckkünstler*innen ausgebildet, von denen einige inzwischen selbst internationalen Rang besitzen. Hierzu zählen unter anderem Karl Fritsch, Lisa Walker und David Bielander.

Sein eigenes Schaffen ist geprägt von handwerklicher Perfektion und minimalistischer Klarheit in der Formensprache. Dies lässt sich mitunter an seiner Halskette ‘Orbit' (2006) erkennen, die den goldenen „Planeten“ leichtfüßig am feinen Stahlseil tanzen lässt, wie gleichermaßen Charlie Chaplin im Film „The Great Dictator“ einst den Erdball balancierte (Hufnagel 2013, S. 23).

Gleichzeitig bestechen seine Schmuckstücke durch Witz und konzeptionelle Eindringlichkeit, indem diese sowohl materiell wie auch symbolisch mit einem Subtext versehen werden. Beispiele hierfür bilden der Rauchschmuck ‘Manhattan Piece’ (1987) oder auch der Armreif 'Gold macht blind’ (1980). Im Falle des Armreifs platzierte Otto Künzli eine Kugel aus Gold so in einem schwarzen Kunststoffring, dass diese von außen nicht mehr zu sehen war. Verbunden mit dem Titel des Stücks lässt sich in dieser absurd, wenn nicht gar parodistisch wirkenden Praxis auch eine mahnende Botschaft erkennen, die dem Schmuckstück eine tiefere Bedeutungsebene verleiht. Hierin manifestiert sich wiederum auf eindingliche Art und Weise die Erweiterung des Autorenschmucks vom rein schmückenden Objekt hin zum Kunstgegenstand.

Carina Schlager, B.A.


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