Biografie
Laura Aguilar wurde 1959 in San Gabriel, Kalifornien geboren und verstarb mit 58 am 25. April 2018 in Long Beach, Kalifornien. Als queere Frau mexikanisch-amerikanischer Herkunft widmete sie sich in ihren Fotografien der Gruppe der Chicana-Frauen, vor allem aber auch der queeren Comunitiy in ihrem Umfeld. Ihre Porträt-Serie „Latina Lesbians“ aus den 1980er Jahren umfasst würdevolle, gleichsam liebevoll inszenierte photographische Porträts lesbischer Latina-Frauen, deren Porträts sie handschriftlich formulierte Texte der Frauen an die Seite stellte, um eine Geschichte zu erzählen. Aguilar erhoffte sich, damit Vorurteile gegen die Gemeinschaft der Chicanas abzubauen.
Die Anfänge ihres künstlerischen Schaffens und ihre Vorliebe für Fotografie reichen zurück in ihre Kindheit. Ihr Bruder zeigte ihr erstmals die hauseigene Dunkelkammer sowie den Entwicklungsprozess und weckte das Interesse seiner Schwester an der Kunst. Aguilar, die an auditiver Legasthenie litt, entwickelte sich als Autodidaktin. Zwar besuchte sie zeitweise Fotografiekurse am East Los Angeles College, ihre künstlerische Arbeitsweise und Position erarbeitete sie jedoch völlig eigenständig. Laura Aguilars Werke wurden bisher in mehr als 50 nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Ein früher Höhepunkt war 1993 ihre Teilnahme an der Biennale von Venedig. Es folgten Ausstellungen in der „Los Angeles City Hall Bridge Gallery“ oder auch in „The Womens Center Gallery“ an der Universität von Kalifornien. Ihre erste Retrospektive mit dem Titel „Laura Aguilar: Show and Tell“ im Jahr 2017 fand innerhalb der Ausstellungsreihe der „Pacific Standard Time LA/LA" der Getty-Stiftung statt.
Laura Aguilars Arbeit wird gegenwärtig oft der Begriff des intersektionalen Feminismus zugeschrieben. Die Künstlerin selbst lehnte diese Bezeichnung ab. Vielmehr wollte sie sich direkt von den Anschauungen des stereotypischen weißen Feminismus abgrenzen. Dieser fokussiert sich auf die Förderung, Erfahrungen und Privilegien von bereits privilegierten, weißen cis-Frauen. Stattdessen zielte Aguilar darauf ab, Aufmerksamkeit auf die Diversität der Identitäten und Erfahrungen von Frauen zu lenken. Für Aguilar waren ihre Werke die Abbildung ihrer eigenen Wirklichkeit. Ihre Arbeitsweise steht in tiefer Verbindung mit ihren eigenen Erfahrungen als arbeitende, queere, Chicana-Frau und als Person, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht. Sie war sich der Kraft und der provokativen Wirkung ihrer Bilder bewusst. Der Betrachter soll ihre Arbeit als Versuch sehen, in sich selbst Freiheit zu finden.
Ab Mitte der 1990er-Jahre fotografierte sich Aguilar nackt in der Wüste und in den Landschaften des amerikanischen Südwestens. Daraus entstanden Serien wie Nature Self-Portraits, Stillness, Motion und Grounded. Auf diesen Bildern verschmilzt ihr Körper mit Felsen und Erde, oft liegt sie zusammengerollt zwischen Steinen, deren Form ihrer eigenen ähnelt. Die Werke sind radikale Gegenposition zur traditionellen Aktfotografie und zur Landschaftsfotografie.
Die 1996 entstandene Serie 'Nature Self-Portrait' markiert einen Wendepunkt in Laura Aguilars Schaffen: Erstmals verlagerte sie ihre Akt-Selbstporträts aus dem Innenraum in die freie Natur. Die während einer depressiven Lebensphase auf einer Reise durch New Mexico entstandenen Aufnahmen eröffneten ihr einen neuen künstlerischen Zugang, wobei Aguilar die Arbeit in der Natur selbst als heilsame Erfahrung empfand.