Los: 21

Henry van de Velde
Große Deckelterrine 'Peitschenhieb', 1903-04

Henry van de Velde Meissen, KPM

Oval, bewegt mit zwei Handhaben. H. 17 cm, 43 x 29 cm. Ausführung: Königl. Porzellanmanufaktur Meissen, vor 1924. Porzellan, weiß, glasiert, reliefierter Dekor, blaue Unterglasur. Bez.: Knopfschwerter (blau, unter Glasur, dreifach gestrichen), Künstlersignet, 1, 33 (geprägt).

Zuschlag: 26.000 €

130A - Highlights
06. Dezember 2016 um 17:00

Literatur:

Der Architekt, Designer, Maler und Theoretiker Henry Clement van de Velde entwickelte schon während seiner Ausbildung an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen ein reges Interesse an der modernen britischen Arts & Crafts-Bewegung, die die aus Japan kommenden Einflüsse rezipierte. Als Maler eher von moderatem Erfolg, fing er bald an, sich mit dem Kunsthandwerk zu beschäftigen. Schon 1892 fertigte er erste eigene Entwürfe.

Van de Veldes revolutionäres Design brauchte einige Anläufe, bis es zum großen Erfolg wurde. Dabei half ihm besonders die Bekanntschaft mit dem deutschen Kunstkritiker Julius Meier-Gräfe und dem Galeristen Samuel Bing, in dessen Galerie Art Nouveau in Paris van de Veldes erste Ausstellung stattfand. In Deutschland wurde van de Velde so populär, dass er schliesslich nach Weimar umzog und mit kurzen Unterbrechungen bis zum Beginn des ersten Weltkrieges dort wohnte und wirkte. Er gründete dort 1907 die Kunstgewerbeschule, die, nachdem Walter Gropius dort als Rektor eintrat, 1919 in das weltbekannte ‚Bauhaus' umgewandelt wurde.

Der Star-Architekt entwarf das 'Peitschenhieb'-Service als Auftragsarbeit für die Königl. Porzellanmanufaktur Meissen. Der Dekor, 1904 patentiert, sollte das berühmte 'Zwiebelmuster' ersetzen. Der kommerzielle Erfolg blieb zunächst aus. Es waren v.a. Freunde von van de Velde, und deren Familien, die das Service bei der Manufaktur bestellten.

Föhl/Neumann, Henry van de Velde, Bd. III, Weimar 2016, S. 401.