Los: 466
Finn Juhl
Armlehnsessel 'Chieftain Chair', 1949 (Entwurf)
H. 93 x 100 x 93 cm.
Ivan Schlechter, Kopenhagen, frühe 1970er Jahre.
Mahagoniholz, cognacfarbenes Leder.
Bez.: Herstellerbrandstempel.
Provenienz: seit Anfang der 1970er Jahre Privatbesitz Mailand.
Der Chieftain Chair gilt als einer der Höhepunkte im Schaffen von Finn Juhl und als einer der elegantesten Entwürfe des skandinavischen Designs. Finn Juhl ließ sich sowohl von moderner Kunst, so von den plastischen Arbeiten von Henry Moore und Hans Arp, als auch von älteren Kulturkreisen inspirieren. Bei einem Besuch im Louvre sah er einen ägyptischen Stuhl, dessen Geometrie er in seinem 'Egyptian Chair' nachahmte und dann 1949 auf den Chieftain Chair übertrug. Dabei liegt die Besonderheit in der konstruktiven und optischen Trennung der Polsterauflage und der Holzkonstruktion. Auf diese Weise entstand sein charakteristischer Möbelstil, der sich zusehends von dem klassischen skandinavischen Design der damaligen Zeit absetzte. Ein klarer Kontrast besteht zu dem damals vorherrschenden Stil der Möbel u.a. von Kaare Klint, bei denen eine klare, schlichte Linienführung vorherrschte und die Ergonomie im Vordergrund stand.
Finn Juhl schildert den Entstehungsprozess des Chieftain Chairs: „ Ich begann im Frühjahr 1949 mit dem Entwurf des Chieftain Chair. Ich war zu Hause und begann gegen 10 Uhr morgens mit einer kleinen Skizze, die nur aus vier vertikalen Linien bestand, die durch etwas miteinander verbunden waren. Um zwei oder drei Uhr morgens hatte ich ihn fertig gemalt. Aber eigentlich weiß ich nicht, wie lange ich für den Entwurf dieses Stuhls gebraucht habe. Vielleicht hatte ich schon seit einiger Zeit die vage Idee, etwas Größeres entwerfen zu wollen.“ Da seiner Meinung nach sehr viele kleine praktische Stühle das skandinavische Design bestimmten, strebte er danach „etwas Pompöseres zu entwerfen“.
Die Zusammenarbeit zwischen Finn Juhl und Niels Vodder endete 1972, der Auftrag für den Chieftain-Stuhl ging an Ivan Schlechter, der seit Mitte der 1950er Jahre als Polsterer für den Chieftain-Stuhl von Niels Vodder tätig war. Da mit Berner Mogensen einer der besten Tischler von Vodder zu P.P. Møbler gewechselt hatte, bat Ivan Schlechter nun P.P. Møbler, die Sessel für ihn zu produzieren. Diese Kooperation sollte bis 1987 andauern. Bemerkenswert ist, dass die Sessel von Schlechter ausschließlich in Mahagoni gefertigt wurden.
Der Chieftain Chair wurde erstmals 1949 auf der Ausstellung der 'Cabinetmaker’s Guild Exhibition' in Kopenhagen vorgestellt und war so einzigartig, dass er hohe Aufmerksamkeit erregte. Bei der Enthüllung saß König Friedrich IX. auf dem Stuhl, woraufhin ein Journalist vorschlug, ihn „Königsstuhl“ zu nennen. Juhl gefiel dieser prätentiöse Name jedoch nicht und er entgegnete schnell: „Nennen Sie ihn lieber Chieftain Chair“, und so blieb es dabei.
Mit dem Chieftain Chair wird eine neue Formensprache des skandinavischen Designs begonnen, dem dann auch Designer wie Arne Jacobsen oder Verner Panton folgen sollten.
Der hier angebotene Chieftain Chair wurde Anfang der 1970er Jahre erworben und befand sich seitdem in der Familie des Einlieferers.
Zuschlag: 14.000 €
10. Dezember 2025 um 15:00 MEZ
Literatur:
Hiort, Arkitekten Finn Juhl, Kopenhagen 1990, S. 41. Chieftain Chair Der Chieftain Chair gilt als einer der Höhepunkte im Schaffen von Finn Juhl und als einer der elegantesten Entwürfe des skan- dinavischen Designs. Finn Juhl ließ sich sowohl von moderner Kunst, so von den plastischen Arbeiten von Henry Moore und Hans Arp, als auch von älteren Kulturkreisen inspirieren. Bei einem Besuch im Louvre sah er einen ägyptischen Stuhl, dessen Geometrie er in seinem 'Egyptian Chair' nachahmte und dann 1949 auf den Chieftain Chair übertrug. Dabei liegt die Beson- derheit in der konstruktiven und optischen Trennung der Polsterauflage und der Holzkonstruktion. Auf diese Weise entstand sein charakteristischer Möbelstil, der sich zusehends von dem klassischen skandinavischen Design der damaligen Zeit absetzte. Ein klarer Kontrast besteht zu dem damals vorherrschenden Stil der Möbel u.a. von Kaare Klint, bei denen eine klare, schlichte Linienführung vorherrschte und die Ergonomie im Vordergrund stand. Finn Juhl schildert den Entstehungsprozess des Chieftain Chairs: „Ich begann im Frühjahr 1949 mit dem Entwurf des Chieftain Chair. Ich war zu Hause und begann gegen 10 Uhr morgens mit einer kleinen Skizze, die nur aus vier vertikalen Linien bestand, die durch etwas miteinander verbunden waren. Um zwei oder drei Uhr morgens hatte ich ihn fertig gemalt. Aber eigentlich weiß ich nicht, wie lange ich für den Entwurf dieses Stuhls gebraucht habe. Vielleicht hatte ich schon seit einiger Zeit die vage Idee, etwas Größeres entwerfen zu wollen.“ Da seiner Meinung nach sehr viele kleine praktische Stühle das skandinavische Design bestimmten, strebte er danach „etwas Pompöseres zu entwerfen“. Die Zusammenarbeit zwischen Finn Juhl und Niels Vodder endete 1972, der Auftrag für den Chieftain-Stuhl ging an Ivan Schlech- ter, der seit Mitte der 1950er Jahre als Polsterer für den Chieftain-Stuhl von Niels Vodder tätig war. Da mit Berner Mogensen einer der besten Tischler von Vodder zu P.P. Møbler gewechselt hatte, bat Ivan Schlechter nun P.P. Møbler, die Sessel für ihn zu produzieren. Diese Kooperation sollte bis 1987 andauern. Bemerkenswert ist, dass die Sessel von Schlechter ausschließlich in Mahagoni gefertigt sind. Der Chieftain Chair wurde erstmals 1949 auf der Ausstellung der 'Cabinetmaker’s Guild Exhibition' in Kopenhagen vorgestellt und war so einzigartig, dass er hohe Aufmerksamkeit erregte. Bei der Enthüllung saß König Friedrich IX. auf dem Stuhl, worauf- hin ein Journalist vorschlug, ihn „Königsstuhl“ zu nennen. Juhl gefiel dieser prätentiöse Name jedoch nicht und er entgegnete schnell: „Nennen Sie ihn lieber Chieftain Chair“, und so blieb es dabei. Mit dem Chieftain Chair wird eine neue Formensprache des skandinavischen Designs begonnen, dem dann auch Designer wie Arne Jacobsen oder Verner Panton folgen sollten. Der hier angebotene Chieftain Chair wurde Anfang der 1970er Jahre erworben und befand sich seitdem in der Familie des Einlieferers.
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