Los: 4

Margarete Schütte-Lihotzky
'Frankfurter Küche' aus der Ernst-May Siedlung, Frankfurt Niederrad, 1926

Margarete Schütte-Lihotzky Grumbach, Frankfurt (zugeschrieben); für das städtische Hochbauamt Frankfurt

H. 270 x 304 x 190 cm. Firma Grumbach Frankfurt (zugeschrieben); für das städtische Hochbauamt, Frankfurt, 1927. Verschiedene Holzarten, je nach Verwendungszweck ausgesucht (z.B. Eichenholz gegen Ungeziefer, Buchenholz für die Arbeitsplatte, Weichholz für die Rahmenkonstruktion), überwiegend hellblau gefasst; Waschbecken Metallguss, weiß emailliert; Beschläge aus Messing, patiniert; schwarzes Linoleum; zwölf Schütten aus Aluminiumblech, zwei Schütten aus Eichen- bzw. Nadelholz mit Aluminiumschildern; farbloses Glas, brauner Textilstoff.

Eine detaillierte Auflistung der Möbelelemente und der Zubehörteile, sowie weiterführende Informationen zur Küche sind auf unsere Webseite einsehbar. Liste der Möbelelemente mit Angaben zu Konstruktion und Zubehör, Anleitung zum Aufbau Frankfurter Küche aus Ernst-May-Siedlung Melibocusstrasse 17, 2. Stock, Niederrad, Frankfurt a. M., Etagenhaustyp, Bauzeit 1927. Schrankwand: Hochschrank und Schubladenschrank, Doppelspüle, Eckschrank Fensterwand: Arbeitsplatte zwischen Eckschrank und Frischhalteschrank 1 Hochschrank Schrankkombination aus Topfschrank und Vorratsschrank, mit Beschlägen Im Vorratsschrank integriert 2 x 7 Fächer für 12 Aluminium-Schütten und 2 Holzschübe, Ablagebord mit Linoleum bezogen Innenausstattung des Topfschranks: 2 x 2 Leisten zur Topf- und Deckelablage Auffangschale aus emaillierten Blech geschmiedeter Gitterrost Liste der Möbelelemente Seite 3 / 8 Innenausstattung des Vorratsschranks: Einlegebrett Einlegebrett mit Stahlfeder zur Befestigung der linken Schranktür 2 x 6 Aluminium-Schütten mit geprägten Beschriftungen Holzschub aus Eiche für Mehl, mit Aluminium-Schild Holzschub aus Nadelholz für Salz, mit Aluminium-Schild 2 Hängeschrank für Geschirr und Gläser mit 2 Einlegebrettern, Schiene aus Buchenholz, mit 5 verglasten Schiebetüren 3 Rahmen mit 3 Klappen über Hochschrank und Hängeschrank (Blendrahmen zur Decke) 4 Schubladenschrank, Unterschrank mit 2 x 4 Schubladen mit Deckplatte und 2 Auszugsbrettern, mit Abtropfbrett 5 Doppelspüle, emailliertes Gußeisen, 2. Ausstattung ergänzt mit Vorhang 6 Eckschrank mit Fach und Klappe, Rahmen und Deckel teilweise rekonstruiert und mit schwarzem Linoleum nach Befund neu bezogen, Auflageleiste für Arbeitsplatte an der Frontseite Fensterwand 7 Frischhalteschrank, mit einer Schublade, Auflageleiste für Arbeitsplatte an der Innenseite links 8 Arbeitsbrett, Massivholzplatte aus Buchenholzbrettern mit Gratleisten, mit emaillierter Abfallschublade Herdwand 9 Bügelbrett mit Halterung, Beschläge Frankfurter Norm: Vorreiber, Streichblech 10 Gewürzregal, Unterseite mit Asbestplatte verkleidet, Asbest mit Paraloid 72 gefestigt Zubehör: 2 Wandkacheln 2 Fußbodenkacheln Zubehör zur Montage des Bügelbretts Schrauben für Montage des Hängeschranks an den Vorratsschrank Holzschübe für Salz wurden aus Nadelholz gefertigt. Die hygroskopische Eigenschaft des Nadelholzes bewirkt, dass das Salz trocken bleibt. Holzschübe für Mehl wurden aus Eiche gefertigt, der Gerbsäure-Gehalt des Eichenholzes hält Mehlwürmer fern. Wandkacheln und Blendleisten: Die Einbauschränke wurden noch vor der Kachelung an der Wand montiert, abschließend wurden Deckleisten entlang der Fugen an die Schränke genagelt. Farblackierung, Analyse der Farbschichten, Farbbestimmung: An verschiedenen Stellen kann man zeigen, daß die Farblackierung erst nach dem Einbau der Möbel vor Ort erfolgte. Die Möbel wurden vor dem Einbau mit einem einheitlichen weißlichen, sehr dünnen Anstrich versehen, vermutlich Schellack mit Gips. Diese Grundierung findet sich an Möbeln vieler Frankfurter Küchen, oft gibt es noch eine zweite dunklere graue, manchmal auch farbige, magere Grundierung mit Ölfarbe. Erst darüber folgte der fettere seidenmatte farbgebende Deckanstrich. Die betongraue Unterfarbe ist mit einer grau-beigen Deckfarbe überstrichen. Auf diese ursprüngliche Farbschicht wurde in der Küche aus der Melibocusstrasse 17 eine weiße Schicht und dann eine hellblaue Farbe aufgetragen, vermutlich bei einer späteren Renovierung durch den Mieter selbst. Die hellblaue Farbschicht scheint ebenfalls Ölfarbe zu sein. Materialunverträglichkeit führt zum Absplittern der weißen Schicht und der hellblauen Farbe. Wir empfehlen, die lose Farbe mit Wasser und Soda abzuwaschen und dann die verbleibende, gefestigte Unterfarbe neu zu streichen. Auch ein neuer Ölfarbenanstrich wäre bei dieser Küche möglich. Beschläge Frankfurter Norm: Die Beschläge für Schränke und Bügelbrett wurden von Ferdinand Kramer entworfen. Quellentexte: Die Erstveröffentlichung: Lihotzky, Grete (1927): Die Frankfurter Küche, Typisierte Küche des Hochbauamtes Frankfurt/Main. In: Stein-Holz-Eisen, Wochenschrift für moderne Bauwirtschaft und Baugestaltung 41. Jahrg. 8. Woche, [24. Februar], S. 156–158. Lihotzky, Grete (1927): Rationalisierung im Haushalt. In: Das Neue Frankfurt, Monatsschrift für die moderne Großstadt-Gestaltung 1. Jahrg. Hf. 5 [April-Juni], S. 120–123. Brenner, Anton (1927): Die Frankfurter Küche. In: Bauwelt Heft 9, S. 243–245. DNF, 5 Jahrgänge 1926–31: Das neue Frankfurt: Monatsschrift für die Fragen der Grosstadt-Gestaltung Zusatz später: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung online: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/neue_frankfurt (Hochschrank) 3 Sockel: für Hochschrank und Schubladenschrank für Eckschrank für Frischhalteschrank Kommentar zu den Möbelelementen der Frankfurter Küche Charakterisierung des Typs: Die Frankfurter Küche wurde in mehreren Typen und Varianten für die Siedlungen des Neuen Bauens in Frankfurt a. Main entwickelt. Am bekanntesten ist die Musterküche von Margarete Schütte-Lihotzky geworden. Der hier angebotene Typ entspricht weitgehend dieser Musterküche. Hinsichtlich der Funktionalität wurden mehrere Veränderungen vorgenommen: Die Schütten wurden aus der Reichweite kleiner Kinder genommen und in den Vorratsschrank weiter oben integriert, die Anzahl der Schütten wurde verringert. Anstelle des Schüttenblocks wurde ein Schubladenschrank als neues Element in denselben Maßen entwickelt. Die Küche stammt aus einer Etagenwohnung in der Siedlung Niederrad, die 1926 bis 1927 gebaut wurde. Sockel: Die Möbel waren fest in den Raum eingebaut und standen auf 10 cm hohen Betonsockeln, Rücksprung unter den Möbeln 4 cm. Der Sockel war mit Keramikfliesen verkleidet. (siehe Fliesenmuster) Einbautypische, materialsparende Konstruktionsweisen: Einfache Holzverbindungen, Rahmenbauweise, sämtliche Möbel-Elemente haben keine Rückwand. Die Möbelelemente sind durch Kombination zu Gruppen zusammengefaßt. Größere Korpusse stabilisieren sich erst beim Einbau durch Verschrauben mit der Wand oder anderen Schrankelementen. Die Holzverbindungen sind überwiegend stumpf geleimt, oft zusätzlich genagelt. Beschreibung der Holzkonstruktionen und -materialien, Besonderheiten: Korpusse, Einlegeböden, Schiebetüren, Schubkästen sind aus massivem Kiefernholz gefertigt, Schranktüren und Frontstücke der Schubladen sind aus Tischlerplatte. Arbeitsplatte und Auflageleisten an den Schränken sind aus Buchenholz, die Abdeckungen der Unterschränke sind mit Linoleum belegt, auf die Sichtkanten wurden Leisten aus Buchenholz genagelt.

Zuschlag: 18.000 €

133A - Bauhaus - Deutsches Design
27. Juni 2017 um 15:00

Literatur:

Margarete Schütte-Lihotzky, Warum ich Architektin wurde, S. 145-163; Frauen im Design, S. 160-173.