Erich Heckel – ‚Am Strand‘

Erich Heckel
‚Am Strand‘

Der im Sommer 1883 als Sohn eines Eisenbahningenieurs geborene Erich Heckel (1883 Döbeln – 1970 Radolfzell am Bodensee) begann bereits als knapp Zwanzigjähriger die ersten Malausflüge zu unternehmen. Seit 1901 war er mit dem etwas jüngeren Karl Schmidt-Rottluff befreundet, und die beiden begannen, kleinere Reisen mit ihrer Leidenschaft des Kunstschaffens zu verbinden. Wie seine Kommilitonen an der Technischen Universität Dresden, Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff, der etwas später dazukam, eignete Heckel sich sein Können als Autodidakt an. 1905 gründeten die vier Architekturstudenten die Künstlergruppe ‘Die Brücke’, in der sie nach neuen künstlerischen Ausdrucksmitteln ihrer alternativen Lebensentwürfe suchten. Der Künstlerzusammenschluss erweiterte sich in den folgenden Jahren um passive Mitglieder und sollte primär den Zweck einer Ausstellungsgemeinschaft erfüllen; zahlreiche Wanderausstellungen der Gruppe fanden statt. 1907 zog es Heckel erstmals zu einem längeren Malaufenthalt an die Küste, gemeinsam mit Schmidt-Rottluff hielt er sich für mehrere Wochen in Dangast an der Nordsee auf, wohin er immer wieder zurückkehrte. Bei diesen längeren Aufhalten am Deutschen Meer mit den Künstlerfreunden bis 1910, Reisen nach Italien und Sommerfrischen an den Moritzburger Teichen bei Dresden arbeitete er intensiv an Graphiken und Gemälden unter anderem zum Thema des Akts in freier Bewegung. Die Uferlandschaften bekommen durch expressive Farbgebungen einen enorm lebendigen Charakter, spontan werden Gesichter mit wilden, gestischen Pinsel- oder Tuschfederstrichen festgehalten. Es entwickelte sich der typische Gruppenstil des Expressionismus der ’Brücke’. 1911 reiste Heckel erstmalig an die Ostsee in Begleitung der Tänzerin Sidi Riha (genannt Siddi), die von da an sein wichtigstes Modell und seine lebenslange Ehepartnerin wurde. Nach einer engen Ateliergemeinschaft mit Kirchner in Dresden zog er 1911 mit Siddi nach Berlin, wo es zu Begegnungen und Freundschaften mit anderen Künstlern des Expressionismus wie Lyonel Feininger, August Macke und Franz Marc kam.
Nach der Auflösung ’Der Brücke’ im Jahr 1913 konzentrierte sich Heckel weiterhin auf seine Kunst und Ausstellungen bei Kunsthändlern wie Fritz Gurlitt. In den Kriegsjahren leistete Heckel Sanitätsdienst in Flandern, wo er gefördert durch den Leiter des Sanitätszuges, den Mitarbeiter der Berliner Nationalgalerie Walter Kaesbach, immer wieder kleine Freiräume für seine künstlerische Arbeit bekam.
Nach Ende des Krieges reiste Heckel mit Siddi erneut an die Ostsee. Im Ort Osterholz an der bereits vertrauten Flensburger Förde erwarben sie ein altes Bauernhaus, welches ihnen als Sitz ihrer Sommer- und Herbstaufenthalte dienen sollte und in dessen Obergeschoss sie einen Atelierraum einrichteten. Während im Winter in Berlin gearbeitet und das Frühjahr für Reisen in den Süden genutzt wurde, besuchte das Ehepaar bis 1929 im immer gleichen Jahresablauf Osterholz. Oftmals wurden die Kinder von Heckels Schwestern oder Freunden ins Motiv eingefügt, um die Küstenszenen lebendiger zu gestalten.

Erich Heckel
’Am Strand‘, 1927
Schätzpreis: € 18.000 – 22.000

1927 entstand das Werk ’Am Strand‘, das wir Ihnen in dieser Auktion anbieten dürfen. Die sogenannten ‘Sommerkinder‘ bereichern auch auf dieser Arbeit auf Papier die Uferszene. Der Künstler stellte die drei unbekleideten Figuren in unterschiedlichen Körperhaltungen dar. Die beiden im Bildvordergrund beobachten das vertiefte Spiel des auf den Steinen Knieenden in vom Bildbetrachter abgewandten Posen, sodass wir uns als Publikum außerhalb des Bildes leicht diesen unbefangenen Blicken anschließen können und so selbst zum bildimmanenten Betrachter avancieren.

Heckel beschäftigte sich mit diesen natürlichen Strand-Motiven rund um Osterholz noch bis 1939 als er sein Atelier dort aufgab. Der Künstler kehrte aber bis in die Mitte der 1940er immer wieder an die Ostsee zurück. Trotz der Unterzeichnung des ‘Aufrufes der Kulturschaffenden’ im Jahre 1934, in der die ’Gefolgschaft des Führers’ bekräftigt wurde, erhielt Heckel 1937 Ausstellungsverbot und Werke von ihm wurden bei der Aktion ’Entartete Kunst’ beschlagnahmt, einige vernichtet. 1944 zog er nach Hemmenhofen am Bodensee und verbrachte die Jahre bis zu seinem Lebensende dort. In den Jahren 1949 bis 1955 übernahm er einen Lehrauftrag an der Akademie der Bilden Künste in Karlsruhe, ein Lehramt an der Akademie in Berlin lehnte er jedoch ab. Heckel war Teilnehmer der documenta 1 im Jahre 1955.