Los: 648

Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 - 1976 Berlin)
Künstlerpostkarte 'Zwei Mohnblüten', 1910

Karl Schmidt-Rottluff

Farbige Ölkreiden auf frankierter Vordruck-Postkarte adressiert und geschrieben an Frau Dr. Elsa Hopf in Hamburg mit Nachsendevermerk. Poststempel Dangast 10.6.1910. Verso vom Künstler handschriftlich bezeichnet (Tusche) und mit Vermerken der Post: "Frau Dr. Elsa Hopf Hamburg Bieber Str 3/5 Liebe verehrte Frau Elsa H., Ihnen hier nochmals einen Sommergruß vom 'Meister', der Ihrer doch so gern gedenkt" und von fremder Hand oben über der Anschrift der Nachsendevermerk: "z. Zt. Rantum / Sylt Adr. Chr. Nissen, Rantum 11/6" (Bleistift), unterhalb der Anschrift: "11/6 Rantum auf Sylt" (Tinte). Die Schmidt-Rottluff-Sammlerin Elsa Hopf hielt sich im Juni 1910 auf der Insel Sylt in der Rantumer Privatpension zur "Sommerfrische" auf. Dort hatte Sie, ebenfalls mit Nachsendevermerk, schon wenige Tage zuvor eine andere Postkarte mit Mohnblumen von Schmidt-Rottluff erreicht. Anders als diese auf zwei Mohnblüten beschränkte Darstellung handelt es sich bei der früheren Version um eine Komposition aus vielen freiblühenden Gewächsen (Vgl. Wietek, S. 127/128). Hier füllen zwei Blüten das komplette Bildfeld aus. "Während die untere voll zum Betrachter hin geöffnet ist, steigt die obere auf gekrümmtem Stengel empor und wird von der Seite dargeboten", so Wietek in seiner Beschreibung dieser Künstlerpostkarte. Weiter führt er zum Motiv der Mohnblume innerhalb des Werkes von Schmidt-Rottluff aus:" 'Es waren unglaublich schöne Tage, voll soviel Sonne, wie noch nie hier', heißt es in einem Brief Schmidt-Rottluffs vom 29. Juni 1910 an Gustav Schiefler, nachdem ihm nicht weniger als drei Postkartenzeichnungen mit Mohnblumen im Monat ihrer Blüte vorausgegangen waren (...). Ihr ungebrochenes, durch das Schwarz der Staubgefäße intensiviertes Zinnoberrot wurde in der Frühzeit des Malers gleichsam seine Leitfarbe, die Klarheit, Eindeutigkeit, Leuchtkraft und Ausdrucksstärke symbolisiert und infolge ihrer Fähigkeit zur Selbstbehauptung und strahlenden Entfaltung auf kargem Boden von ihm auch als Naturerscheinung hoch geschätzt worden ist. Bereits 1908 war ein Gemälde 'Roter Mohn' entstanden, mit dem die sich steigernden Farbklänge von Rot und Grün eingeläutet wurden. Das Bild war von der für die Kunst Schmidt-Rottluffs besonders empfänglichen Sammlerin Martha Rauert (1868 - 1958) erworben worden, welche 1931 auch die letzte Postkartenzeichnung mit diesem Motiv erhielt."

Zuschlag: 12.000 €

127C - Moderne Kunst
23. Juni 2016 um 15:00

Literatur:

Provenienz: Nachlass Dr. Elsa Hopf. Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff, Zeichnungen auf Postkarten, Köln 2010, S. 129 und 130, Kat. 37 (mit farb. Abb.).