Leuchtendesign von Funktional bis Radical – Die Sammlung Dr. Bernhard Serr

Leuchten sind ein ganz besonders spannendes Sammlungsthema – hier geht es nicht nur um die Gestaltung eines funktionalen Möbelstücks, sondern auch um die Frage, welche Effekte das Licht im Raum erzeugt! Die Facetten des Lichtdesigns sind unendlich variabel und alles hat seine Daseinsberechtigung: Strahler zur Ausleuchtung von Arbeitsplätzen, Tischleuchten, die punktuell Akzente setzen oder Leuchtmittel, die in künstlerischen Konzepten eine tragende Rolle spielen.

Die Sammlung Dr. Bernhard Serr vereint eine rund 60 Positionen umfassende Auswahl prägender, internationaler Designobjekte des 20. Jahrhunderts, darunter vor allem seltene Leuchten sowie Objekte der Alltagskultur. Über Jahrzehnte hinweg ist diese Privatsammlung aufgebaut worden. Seit Beginn ihrer Entstehung Ende der 1970er Jahre ist sie von einem interdisziplinären Interesse an Technik, Musik und Kunst geprägt. Reisen zu Museen und architektonisch bedeutenden Orten in Europa und den USA führten zu einer kontinuierlichen Erweiterung dieser spannenden Kollektion und inspirierten den Sammler zu einer vertieften Auseinandersetzung mit verschiedensten gestalterischen Strömungen des 20. Jahrhunderts.

Leuchten Design - Die Sammlung Serr

Den zeitlichen Schwerpunkt der Sammlung bilden Entwürfe zwischen den 1960er und 1990er
Jahren. Vertreten sind zentrale Positionen der Nachkriegsmoderne, des Radical Design sowie der Postmoderne und der Memphis-Bewegung. Ikonische Entwürfe wie die Stehleuchte ‚Toio‘ von Achille und Pier Castiglioni, Superstudios skulpturale ‚Gherpe‘-Leuchte, die experimentellen von Alchimia produzierten Leuchten ‚Paramount‘ und ‚MGM‘ oder die seltene Leuchte ‚Sfera‘ von Patrizia Innocenti und Sergio Gobbi illustrieren Bernhard Serrs Interesse an technischer Innovation in Verbindung mit außergewöhnlicher Ästhetik und der Pop Kultur. Dabei nehmen die ebenso bekannten wie klassischen Leuchten von Ettore Sottsass einen besonderen Stellenwert ein.

UFO, Tischleuchte ‚MGM‘ aus der ‚Bau. haus collection‘, 1969/70 (Entwurf)


Viele Leuchten der Kollektion spiegeln den Wunsch der Designer mit den herkömmlichen Konventionen der Designgeschichte zu brechen. Vertreten sind Leuchten, in denen die Erforschung technischer und funktionaler Aspekte dominieren: Ein auf das Wesentliche konzentrierter Entwurf ist die Klemmleuchte ‚255‘ von Tito Agnoli, entworfen 1954. An einem schlichten schmalen Metallrohr, durch welches das Kabel geführt wird, ist die zylindrische Fassung für die Glühbirne angebracht. Die schwenkbare Struktur und die höhenverstellbare Fassung garantieren, dass sich die Lichtquelle mit wenigen Handgriffen auf die Bedürfnisse des Nutzers einstellen lässt.


Grenzenlose Kreativität im Hinblick auf Formen und Farben zeichnen die meisten der fantastischen Exemplare der Sammlung Serr aus: Allen voran darf hier Superstudios ‚Gherpe‘ genannt werden. In aufgefächerter Form entfaltet die Leuchte ihr muschelartiges Wesen, das aus dem Inneren heraus sanftes Licht verströmt. Eine Herausforderung sahen viele Entwerfer darin, Leuchtmittel aus dem neuen Material Kunststoff in organisch floreale Formen zu verwandeln – Studio Tetrach schuf 1968 die Tischleuchte ‚Frine‘, die sich wie eine Knospe öffnet. 


Die pure Begeisterung für die schillernden Traumfabriken Hollywoods illustrieren die beiden selten auf dem Kunstmarkt zu sehenden Tischleuchten der Gruppe UFO – ‚Paramount‘ und ‚MGM‘. Das Logo von Paramount symbolisiert seit 1914 mit dem von Sternen umfangenen Berg die Größe und Beständigkeit der amerikanischen Filmindustrie. Die Leuchte paraphrasiert humorvoll dieses ikonische Konzept: über dem Berg aus golden lackierter Fayence spannt sich ein roter Schirm, der in einem ironischen Kontrast zur ursprünglichen Erhabenheit dieses Kinosymbols erscheint.

UFO; Lapo Binazzi
Tischleuchte ‚Paramount‘ aus der ‚Bau. haus collection‘, 1970 (Entwurf) 

Ergänzt wird die Leuchten-Kollektion durch spannende Objekte der Alltags- und Wohnkultur. Ein Teil dieser Objekte war im täglichen Gebrauch, wodurch sich Sammlung und Lebensraum miteinander unmittelbar berührten. Die Sammlung Serr dokumentiert zentrale Entwürfe des internationalen Designs im 20. Jahrhundert und damit eine außergewöhnliche und kenntnisreiche Sammlertätigkeit.

Mit der Präsentation der Sammlung Serr im Rahmen der Auktion am 24. März laden wir dazu ein, dieses bedeutende Zeugnis zu entdecken.