{"id":6643,"date":"2023-10-23T12:56:34","date_gmt":"2023-10-23T10:56:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.quittenbaum.de\/?p=6643"},"modified":"2024-03-28T11:53:35","modified_gmt":"2024-03-28T10:53:35","slug":"emile-galle-moebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.quittenbaum.de\/de\/emile-galle-moebel\/","title":{"rendered":"Emile Gall\u00e9 und seine M\u00f6bel"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\"><\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"424\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-6656\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-1024x424.jpg\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-1024x424.jpg 1024w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-300x124.jpg 300w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-768x318.jpg 768w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-1536x636.jpg 1536w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-2048x848.jpg 2048w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Banner-Galle-Moebel-1920x795.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\">Natur und Wahrheit &#8211; Die M\u00f6bekunst von \u00c9mile Gall\u00e9<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>\u201eWelch edle Nuancen Gall\u00e9 dem Herzen der Eiche entlockt, welch harmonischen Kontrast der T\u00f6ne, wenn sich ein Blatt von der Farbe des Stammes abhebt.<\/em>\u201c Mit diesen poetischen Worten lobt der mit dem Kunsthandwerker Emile Gall\u00e9 (1846-1904) seinerzeit befreundet Marcel Proust das Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und den Geschmack, mit dem der K\u00fcnstler seine M\u00f6bel gestaltete. Der Dichter war hingerissen von der Subtilit\u00e4t der Arbeiten und besonders empf\u00e4nglich f\u00fcr die Geheimnisse und Stimmungen, die diese in seinen Augen gleichsam wie Schichten umh\u00fcllten. So liegt die Faszination der Gall\u00e9-M\u00f6bel neben der einfallsreichen und qualit\u00e4tvollen kunsthandwerklichen Ausf\u00fchrung sicher auch in dem Umstand begr\u00fcndet, dass diese &#8211; auf der pantheistischen Weltsicht ihres Sch\u00f6pfers basierend &#8211; in ihrer k\u00fcnstlerischen Gestaltung letztlich tiefere Aussagen \u00fcber die Natur und ihre Geheimnisse vermitteln sollen. Beeinflusst von der Bewegung des Symbolismus in Kunst und Literatur bezog Gall\u00e9 seine Inspiration aus der eingehenden Besch\u00e4ftigung mit der Pflanzenwelt. Eine Tatsache, die nicht \u00fcberrascht, wenn man wei\u00df, dass er zun\u00e4chst Philosophie und Botanik studiert hatte und regelm\u00e4\u00dfig Artikel zum Gartenbau ver\u00f6ffentlichte. Die Funktion der M\u00f6bel spielte f\u00fcr Gall\u00e9 letztlich dann auch eine eher untergeordnete Rolle. F\u00fcr ihn waren diese zuallererst Bedeutungstr\u00e4ger f\u00fcr seine vom Symbolismus gepr\u00e4gten Naturtheorien. Ein Aspekt, der noch durch die Tatsache unterst\u00fctzt wird, dass er die bildhaften Marketerien seiner M\u00f6bel oft noch zus\u00e4tzlich durch Zitate aus Gedichten befreundeter Schriftsteller erg\u00e4nzte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entwickelten sich auch in Frankreich Vorstellungen von einer M\u00f6belkunst, die sich von der hier bisher so erfolgreich gepflegten Kopie historischer Vorbilder l\u00f6sen sollte. Was sich jetzt auspr\u00e4gte, blieb allerdings von der englischen, deutschen oder \u00f6sterreichischen Reformbewegung mit ihren eher konstruktiv klaren und schlichten M\u00f6beln so gut wie unber\u00fchrt. Die N\u00e4he zu den prezi\u00f6sen, kostbaren M\u00f6beln des 18. Jahrhunderts sollte letztlich in den Sch\u00f6pfungen der M\u00f6belkunst des Art Nouveau sp\u00fcrbar bleiben. Gall\u00e9, der 1901 die Ecole de Nancy &#8211; neben Paris eines der Zentren des Art Nouveau &#8211; gegr\u00fcndet hatte, gilt heute zu Recht als die wohl auffallendste Gestalt dieser Bewegung. Er hat letztlich eine ganze Generation junger K\u00fcnstler gepr\u00e4gt und er gab den Ansto\u00df f\u00fcr eine Erneuerung der industriellen Kunst. Sein Einfluss auf den neuen Dekorationsstil verdankt nicht nur die Glaskunst, sondern auch die des M\u00f6bels viel. Der Bedeutung seiner Arbeiten war man sich schon zu Lebzeiten Gall\u00e9s bewusst und viele seiner Ausstellungsst\u00fccke wurden bereits damals unter anderem f\u00fcr das Muse\u00e9 des Arts D\u00e9coratifs oder das Muse\u00e9 Luxembourg angekauft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1885 sollte Gall\u00e9 damit beginnen neben seiner f\u00fcr Glasarbeiten ber\u00fchmten Manufaktur auch luxuri\u00f6se M\u00f6bel herzustellen und zu diesem Zweck eine Reihe erfahrener Kunsttischler, Marketerie- Spezialisten und Holzbildhauer zu verpflichten. Ein Widerspruch zwischen der an seinen M\u00f6beln zum Ausdruck kommenden Sehnsucht nach urspr\u00fcnglicher, elementarer Naturvorstellung und einer modernste Fertigungsmaschinen einsetzenden Produktionsform bestand f\u00fcr ihn dabei nicht. Logik der Form, Sensibilit\u00e4t sowie Lebendigkeit der Gestaltung waren f\u00fcr Gall\u00e9 die wichtigsten Merkmale seiner M\u00f6bel. Die Entw\u00fcrfe f\u00fcr Formen und Dekore sollten dabei stets der Funktion des jeweiligen Objekts angepasst sein. Im Laufe seiner langj\u00e4hrigen Arbeit mit dem Werkstoff Holz entwickelte er dabei seine speziellen Ansichten \u00fcber die Gestaltung von M\u00f6beln, die er in dem ausf\u00fchrlichen Artikel \u201e<em>Le mobilier contemporain orn\u00e9 d&#8217;apr\u00e8s la nature<\/em>\u201c in der Revue des Arts D\u00e9coratifs im Jahr 1900 ver\u00f6ffentlichte. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-bootstrap-blocks-row row\">\n\t\n\n<div class=\"col-12 col-md-4\">\n\t\t\t\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6673\" srcset=\"https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4-500x500.jpg 500w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127856_4.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\t<\/div>\n\n\n\n<div class=\"col-12 col-md-8\">\n\t\t\t\n\n<p>F\u00fcr Gall\u00e9 bedeutet Modernit\u00e4t dabei nicht die Einf\u00fchrung stilistischer Novit\u00e4ten oder lediglich h\u00fcbscher \u00c4u\u00dferlichkeiten ohne tieferen Gehalt und Sinn, wie er hier schreibt, sondern sein Bestreben war es, M\u00f6bel nach den Bed\u00fcrfnissen des modernen Menschen zu gestalten. Die Verbindung der Begriffe Wahrheit und Sch\u00f6nheit bildete f\u00fcr Gall\u00e9 dabei die Grundlage zur Gestaltung eines M\u00f6bels. Sch\u00f6nheit k\u00f6nne man seiner Meinung nach erreichen, wenn man hier mit viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen die Gesetze des Wachstums der Natur, ihre Strukturen und grundlegenden Prinzipien beachtet, denn die Natur biete in ihrer Vielfalt unendliche M\u00f6glichkeiten. Die strukturellen Grundelemente der M\u00f6bel sollten dabei durch Details nicht \u00fcberdeckt, die Verbindungsstellen nicht kaschiert, sondern naturgetreu modelliert werden. Laut Gall\u00e9 solle man, um dieses Problem zu l\u00f6sen, einmal beobachten, wie die Zweige einer Pflanze aus dem Stengel herauswachsen, Bl\u00e4tter am Zweig ansetzen oder wie die Bl\u00fcte mit dem Stiel verbunden ist. M\u00f6bel, die nach diesen Richtlinien entworfen werden, seien ein Spiegel des Lebens und stellten die Wahrheit der Natur \u00fcber jeden k\u00fcnstlichen Eklektizismus.&nbsp;In den glatten Oberfl\u00e4chen seiner M\u00f6bel wiederum sah Gall\u00e9 gleichsam eine unbemalte Leinwand, auf der er florale Themen durch die raffinierte Kombination verschiedenfarbiger H\u00f6lzer darstellen konnte. Er begeisterte sich dabei besonders f\u00fcr die Techniken der Marketerie und verwendet diese mit gro\u00dfer Phantasie in einer bisher nie da gewesenen Qualit\u00e4t. Zudem erg\u00e4nzte er diese teilweise noch zus\u00e4tzlich durch Einlagen aus Glas oder anderen Materialien.<\/p>\n\n\t<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#e7d2cc\">Der Schriftsteller und Symbolist Graf Robert de Montesquiou schreibt im sechsten Kapitel seines Werkes \u201e<em>Les Roseaux Pensants<\/em>\u201c, welches er Gall\u00e9 gewidmet hatte, zu diesen Marketerie-Bildern: <em>\u201eVon jeder Linie einer Maserung flie\u00dft eine neue Harmonie in die Augen. Eine kleine Vertiefung des Gel\u00e4ndes, der Lauf eines Baches, eine kleine Unregelm\u00e4\u00dfigkeit der Maserung, die von einer Ver\u00e4stelung stammen k\u00f6nnte, wird zur Wolke. Die Marqueterie vervollst\u00e4ndigt das Bild. Man ahnt, man wei\u00df um die Geheimnisse, die das Herz eines gef\u00e4llten Baumes einem Kunstschreiner wie Gall\u00e9 anvertraut; das Wesen eines Baumes spricht durch ihn.<\/em>\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Philippe Garner, einem profunden Kenner von Emile Gall\u00e9s Werk, war der K\u00fcnstler letztlich ein Dichter, der Glas und Holz anstelle von Worten benutzte. Sein Ziel war es mit seinen M\u00f6beln etwas zu schaffen, das man ber\u00fchren und tasten konnte, dreidimensionale Kunstwerke, die ebenso ergreifend und bewegend und ebenso reich an Nuancen waren, wie Gedichte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Marcus Oertel<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" data-id=\"6659\" src=\"https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127774-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6659\" srcset=\"https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127774-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.quittenbaum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/127774-300x300.jpg 300w, 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