Vuitton, Louis (1821-1892)

Eine Louis Vuitton Tasche, insbesondere mit dem berühmten Canvas Monogram, ist ein unvergänglicher Klassiker und zugleich eines der begehrtesten Statussymbole unserer Zeit. Doch diesem so einprägsamen Erscheinungsbild ging ein unscheinbares beschichtetes Leinentuch voraus. Entwickelt wurde es 1877 vom Firmengründer Louis Vuitton.

Dieser hatte sich 1835 mit nicht einmal 14 Jahren alleine von Anchay im französischen Jura zu Fuß nach Paris begeben. Dort fand er eine Lehrlingsstelle, die ihn zum layetier und emballeur ausbildete - also zum Kistenhersteller und Kistenpacker. Was sich nach einer simplen Ausbildung anhört, öffnete Louis Vuitton die Türen zu den reichsten Häusern im Paris des 19. Jahrhunderts. Ein Großteil des damaligen Gepäcks wurde maßgefertigt: Kostbare Gegenstände mussten sorgfältig und sicher verpackt werden, da Reisetruhen in Kutschen oder auf See rau behandelt wurden. Layetiers kamen zu den Kunden nach Hause und vermaßen Objekte sorgfältig: Kleidung, Schmuck, Spiegel, Tische und Skulpturen. Alle Gegenstände, die mit sollten, erhielten maßgefertigte Verpackungen. Ebenso sorgfältig wie die Herstellung des Gepäcks verlief das Verpacken: der emballeur sorgte dafür, dass jedes Stück geschützt und sicher in die richtige Kiste kam. Nur so war gewährleistet, dass wertvolle Besitztümer unbeschädigt am Ziel ankamen.

In diesen Jahren eignete sich Louis Vuitton das wichtigste Know-how an, welches die Grundlage für sein späteres Erfolgsunternehmen sein sollte. Als er 17 Jahre später sein eigenes Unternehmen in der Rue Neuve des Capucines in Paris eröffnete, war er 33 Jahre alt. Hier verfeinerte er seine Handwerkskunst und konkretisierte die Ansprüche, die er an ein Gepäckstück stellte: leicht, robust, wasser- und schmutzabweisend und gut zu verstauen.

Koffer wurden damals mit Schweinsleder überzogen, welches vor allem in neuem Zustand oder bei Nässe einen strengen Geruch verströmte, der sich auch auf den Inhalt übertrug. Louis Vuitton begann, mit einem mit Roggenmehlgemisch imprägnierten Leinen zu experimentieren. Das Ergebnis war ein geruchsneutrales, wasser- und staubdichtes und leichtes Reisgepäck. Bei Reisetruhen ersetzte er den gerundeten Deckel durch einen flachen, so ließen sich mehrere Gepäckstücke problemlos stapeln. So simpel diese Innovationen waren, so ausschlaggebend waren sie für den Erfolg der Produkte: seit Mitte des 19. Jahrhunderts war das Reisen durch die neuen Verkehrsmittel wie Eisenbahn und Dampfschiff so komfortabel und schnell wie nie. Reisen war nun kein Privileg der Adligen mehr, auch die bürgerliche Gesellschaft begann ferne Länder zu erkunden.

1886 entwickelte Louis Vuitton gemeinsam mit seinem Sohn Georges das patentierte Tumbler Schloss. Die immer größere Nachfrage nach den praktischen und qualitätvollen Gepäckstücken ließ das Unternehmen schnell wachsen, führte aber mit sich, dass es auch viele Nachahmer gab. Um sich von diesen zu unterscheiden, wurde 1888 das schachbrettartige Damier-Muster eingeführt.

Nach dem Tod seines Vaters kreierte Georges Vuitton das Weltberühmte LV- Signet, das er als Hommage an seinen Vater auf den bewährten Leinenstoff drucken ließ. Die Verwendung von stilisierten Blüten im Monogram-Canvas basiert auf dem damaligen Trend, japanische und orientalische Designs zu verwenden und ist im Jugendstil verhaftet. Heute handelt es sich bei dem Monogram Canvas um ein vinylbeschichtetes Baumwollgewebe, das wesentlich widerstandsfähiger als Leder gegen Abrieb und Verschmutzungen ist und in den 1950er Jahren entwickelt wurde.

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