Sottsass, Ettore (1917-2009)

In der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts gehört Ettore Sottsass zu den wichtigsten Gestaltern überhaupt. Er arbeitete als Architekt, entwarf Keramiken und Gläser, er fungierte als künstlerischer Leiter für die Möbelfirma Poltronova, er gestaltete Büromaschinen und Möbel für Olivetti, und er wurde als Protagonist der Bewegung des Anti-Design und als Gründer der Gruppe Memphis Anfang der achtziger Jahre international bekannt. Im Gegensatz zu den strengen Rationalisten, die in Italien das Postulat von Pionieren wie Le Corbusier und Mies van der Rohe "form follows function" umsetzten, strebte Sottsass in allen Gattungen, denen er sich widmete, nach einer neuen Formensprache. Er setzte auf Farben, sinnliche Materialien und ein archetypisches Zeichensystem.

Seine Karriere begann Sottsass als Architekt. Erst arbeitete er nach seinem Studium am Politecnico in Turin mit seinem Vater Ettore Sottsass senior zusammen, dann machte er sich 1947 mit einem eigenen Architekturbüro in Mailand selbständig und beteiligte sich im Auftrag der INA für den sozialen Wohnungsbau. Der Beruf des Architekten allein hätte ihn jedoch nicht ausgefüllt. Vielmehr hatte er den Wunsch, alle Arten von Ausdrucksmöglichkeiten auszuprobieren, charakterisierte die italienische Autorin Barbara Radice, seit 1976 Sottsass Lebensgefährtin, sein Bestreben. Sottsass schrieb für Domus, organisierte Ausstellungen, schuf Skulpturen, Keramiken und Glasobjekte und malte.

In das Jahr 1956 datiert beispielsweise ein Aquarell, auf dem neben gestisch ausgeführten vertikal und horizontal verlaufenden schwarzen Pinselstrichen, ein rotes Gitter dominiert. Inspiriert von Werken der abstrakten Expressionisten Jackson Pollock und Arshile Gorky verwendete Sottsass spontan gezeichnete Zeichen wie Gitter und Kreise auch bei der Gestaltung seiner Keramiken und Teppiche, die in den fünfziger Jahren entstanden. 1957 wurde Ettore Sottsass künstlerischer Leiter von Poltronova und realisierte in einem Zeitraum von zwanzig Jahren über 50 innovative Projekte mit der in Pistoia neu gegründeten Möbelfirma wie beispielsweise den eleganten Sofatisch, das supermondäne Spiegelobjekt 'Ultrafragola' oder den Tisch 'Loto'. Sottsass führte neue Farben und Materialien in die Möbelbranche ein. Und bei Poltronova traf er auch auf die Mitglieder der Gruppe Archizoom und Superstudio, mit denen er 1966 die erste Manifest-Ausstellung des Radical Design organisierte. Konsequent setzte Sottsass sein radikales Designverständnis auch bei dem italienischen Büromaschinenhersteller Olivetti um.

Zu seinen Klassikern gehören neben der knallroten Schreibmaschine 'Valentine' auch der Drehstuhl 'Synthesis 45'. Ein internationaler Superstar wurde Sottsass in den achtziger Jahren als Mitbegründer von der Designergruppe Memphis, die sich in Mailand zusammengefunden hatte, um das Radikale Design zu propagieren und den Weg zu bereiten für ein kunstorientiertes Möbeldesign. Inspiriert von historischen Stilen, Kitsch und Pop Art distanzierten sich die Mitglieder wie Michele de Lucchi, Marco Zanini, Matteo Thun und Sottsass bewusst von den Grundsätzen des Guten Designs und beschritten völlig neue ästhetische Wege. Häufig wurden farbige Kunststofflaminate eingesetzt wie auch bei Sottsass Regalklassiker 'Carlton' von 1981. Zeitlebens gestaltete Ettore Sottsass aber auch Objekte aus Keramik und Glas. Von Anfang an waren diese weit entfernt von reinen Dekorationsstücken. Sottsass sah sie vielmehr als "Katalysatoren für kulturelle Wahrnehmungen" (vgl. Barbara Radice, Ettore Sottsass Leben und Werk, München 1992). Ab den neunziger Jahren entwarf Sottsass mit seinem Mailänder Büro Sottsass Associati zahlreiche architektonische Großprojekte auf der ganzen Welt vom Einfamilienhaus in Zürich bis zum berühmten Haus Wolf in Colorado.

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