Schneider Verreries

Die Glasfirma Schneider wurde Endes Jahres 1913 von den beiden Brüdern Ernest Schneider (1877-1937) und Charles Schneider (1881-1952) gegründet. Die Weichen für die Karriere der Brüder in der Glasbranche wurden bereits viele Jahre zuvor gestellt. Nach dem tragischen Unfalltod des Vaters zog die Mutter mit ihren drei in das ökonomisch prosperierende Nancy.

Ab 1897 erhielt Charles in der Glasmanufaktur Daum eine Ausbildung als Graveur und erlernte das Zeichnen unter der Leitung von Henri Bergé. Parallel dazu studierte an der École des Beaux-Arts in Nancy. Ab 1904 führte Charles sein Studium an der École des Beaux-Arts in Paris fort spezialisierte sich auf Malerei und Medaillengravur und erhielt in diesem Bereich einige Auszeichnungen für sein Können. Sein älterer Bruder Ernest Schneider war hingegen in leitenden Funktionen bei Daum beschäftigt. Zu seinen vielfältigen Aufgaben in der Glasmanufaktur gehörten die interne Steuerung der künstlerischen Abteilung sowie wichtige Bereiche in der kaufmännischen Verwaltung.

1913 gründeten die Brüder Schneider ihr Unternehmen. Die erste Firmengründung zusammen mit dem befreundeten Architekten Henri Wolff schloss bereits nach drei Wochen. Die zweite Gründung firmierte endgültig Verreries Schneider. Sie erwarben eine kleine Glasfabrik in dem Pariser Vorort Épinay-sur-Seine. Vor dem Ersten Weltkrieg bestand die Produktion hauptsächlich aus Apothekenfläschchen sowie Flakons für Parfümhersteller. 1914 wurde die Manufaktur geschlossen. 

Nach der Entlassung aus dem Wehrdienst eröffneten die beiden Brüder das Unternehmen wieder. Die Firma hinterlegte 1918 den neuen Markennamen Le Verre Français. Von da an wurden Produkte mit zwei Signaturen in den Handel gebracht: Schneider und Le Verre Français. Dem damaligen Geschmack entsprechend, der sich zu diesem Zeitpunkt am Jugendstil orientierte, gestaltete Schneider - neben Tischgeschirr und Trinkgläsern - farbenprächtige Kunstgläser mit floralen Dekoren, in mehrschichtigen Überfängen ausgeführt. Die Firma trat mit Zierpokalen und Fußschalen der berühmten Serien Coupes Bijoux und Coups à pied noir in Erscheinung, die heute unser Bild der Glasmanufaktur prägen. Neben stilisierten Pflanzenmotiven und später geometrischen Ornamenten im Stile des Art Déco entstanden Objekte mit diffusen Farbverläufen. Diese Optik wurde entweder durch stark blasiges Glas erreicht oder durch farbige Pulvereinschlüsse, für die pulverisiertes Glas mit Metalloxiden vermischt und in die Glasmasse eingeschmolzen wurde. Die so entstandenen Vasen und Lampen waren auch auf dem amerikanischen Markt beliebt.

Die Objekte der beiden Marken ‚Le Verre Français‘ und ‚Schneider‘ wurden über diverse Vertriebswege verkauft. Erstere sollte die Glaskunst der Manufaktur populärer machen und zugänglich für eine breitere Käuferschaft. Diese Objekte wurden in den Kunstabteilungen der großen  Kaufhäuser angeboten, wie der Galerie Lafayette. Die Objekte der ‚Schneider‘-Linie wurden hingegen überwiegend in spezialisierten Kunsthandlungen (Jules Houry) angeboten und gehören heute zu den selteneren Exemplaren. Bei der Signatur Charder handelt es sich um eine Abkürzung für ‚Charles Schneider‘.

Zur Pariser Weltausstellung 1925 war die Firma Schneider auf dem Höhepunkt. Die Glasmanufaktur zeigte riesige Glasfenster, Lampen und ausgewählte Objekte. Der Börsencrash 1929 und die Wirtschaftskrise traf die Manufaktur hart. Als Reaktion auf die sinkende Nachfrage produzierte Schneider in den 1930er Jahren kleinere Stückzahlen und ging auf die Anwendung von Pressglas über. 1937 erfolgte die Einleitung des Insolvenzverfahrens, 1938 wurde die Firma für bankrott erklärt.

Die Familientradition wurde fortgeführt von Charles Schneiders Söhnen Robert Henri (1917-2000) und Charles (1916 - 1984), die 1949 eine neue Glasmanufaktur mit Namen ‚Cristalleries Schneider‘ eröffneten, der Sitz befand sich erst in Épinay-sur-Seine, später in Lorris. Ganz den Trends der 50er Jahre entsprechend, fertigte man Vasen, Aschenbecher und Kerzenständer aus Kristallglas, die Objekte tragen die Signatur ‚Schneider France‘.

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