Riemerschmid, Richard (1868-1957)

Richard Riemerschmid war einer der wichtigsten Akteure für die Entwicklung des Jugendstils in München. Obwohl er Malerei studiert hatte, entwarf er vor allem kunstgewerbliche Gegenstände und war als Architekt tätig. Er arbeitete zunächst mit den Vereinigten Werkstätten München und ab 1902 mit den Werkstätten Dresden Hellerau zusammen. Außerdem war er 1907 Gründungsmitglied des Deutschen Werkbundes. 1913-24 war er Direktor der Kunstgewerbeschule München und von 1926-31 Leiter der Kölner Werksschule.

Riemerschmid war ein Mitarbeiter der Zeitschrift „Jugend“, die Namen gebend für die deutsche Ausprägung dieser Strömung war. Schon vor der Jahrhundertwende war München das Zentrum kunstgewerblicher Tätigkeit in Deutschland, jedoch waren vor allem Produkte der Arts and Crafts Bewegung aus England beliebt. Deshalb wurde der Wunsch nach der Entwicklung eines eigenen nationalen und modernen Stils laut, den man mit dem Jugendstil gefunden zu haben glaubte. Beeinflusst durch die Arts-and Crafts-Bewegung wurde mit dem Jugendstil das Kunstgewerbe bedeutender. Auch die Bestrebung dieser Richtung, den Historismus, der sich an vergangenen Stilen bediente, zu überwinden, wurde vom englischen Vorbild übernommen. Durch das Finden von neuen, zeitgemäßen Formen sollte das Kunstgewerbe und so die Gestaltung aller Lebensbereiche erneuert werden. Als Reaktion auf die Industrialisierung besann man sich auf die Natur, was in sich pflanzenartig rankenden Ornamenten und Arabesken deutlich wird. Wichtig ist auch die Auseinandersetzung mit der asiatischen, vor allem japanischen Kunst. Bei der Ausstellung im Glaspalast in München 1897 wurde zum ersten Mal auch Kunstgewerbliches in zwei Räumen ausgestellt, an deren Gestaltung mehrere Künstler beteiligt waren. Diese Beteiligung war dann Anlass für den Zusammenschluss von Hermann Obrist, Bruno Paul, Bernhard Pankok und Riemerschmid zur Gründung der „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“ in München. Damit schuf sich die Künstler einen eigenen Produktionsort, durch den sie Objekte des alltäglichen Lebens ihren Überzeugungen entsprechend herstellen und vertreiben konnten.

Einflussreich auf Künstler dieser Zeit war Henry van de Veldes Beitrag zur Dresdner Kunst-gewerbeausstellung 1897. Für ihn war das Gestalten eines Raumes samt aller Einrichtungsgegenstände ein ganzheitliches Gesamtkunstwerk. Dieses Vorbild ist in Riemerschmids „Zimmer eines Kunstfreundes“, das auf der Pariser Weltausstellung 1900 zu sehen war, nachvollziehbar. Bereits 1899 hatte Riemerschmid einen Stuhl präsentiert, der als eine Ikone des Jugendstils angesehen wird, da er die Prinzipien der Bewegung, Funktionalität in Schlichtheit vereint. 1901 wurde er dann mit der Ausstattung des Münchener Schauspielhauses beauftragt. Diese beiden Arbeiten sind der Höhepunkt seiner Jugendstilzeit. Die umfassende Ausstattung von Räumen mit Möbeln bis hin zu Tapeten und Vorhangstangen spiegelt wider, dass die Erneuerungsbestrebungen allen gesellschaftlichen Schichten zu Gute kommen sollten. Es sollten für viele Menschen erwerbbare Einrichtungen sein, um die Unterschiede zur vergangenen, dem Historismus zugeneigten Bourgeoisie zu überwinden.

Diese Forderung machte sich auch in anderen Bereichen bemerkbar. Ab Mitte der 1890er Jahre wurde die Volkskunst, auch Heimatstil genannt, beliebt. Dieser Trend hing mit der noch jungen Disziplin der Völkerkunde zusammen, und durch Publikationen über das Bauernhaus und seine Einrichtung wurde das Interesse an der eigenen Volkskunst verbreitet. Dieses Interesse sah im Bäuerlichen und im Bodenständigen als Symbol für Ehrlichkeit und Einfachheit die Lösung der sozialen Frage. Hier sah man die Möglichkeit, endlich einen neuen nationalen Stil zu finden und ähnlich wie beim Jugendstil breitete sich dieses Phänomen auf ganz Europa aus.

In diesem Sinne arbeitete Riemerschmid ab 1902 mit den Dresdner Werkstätten Hellerau zusammen und sollte für sie preiswerte und günstige Möbel entwerfen. So entstand die Ausstattung „Dresdner Hausgerät“, die 1906 auf der dritten deutschen Kunstgewerbeausstellung gezeigt und als „demokratische Kunst“ gefeiert wurde. Sie folgte der Idee von Friedrich Naumann, dass der neue deutsche Stil maschinell herstellbar sein müsse, um dem Zeitgeist zu entsprechen und auch die Kosten zu senken. Die Möbel waren aus Holz und zusammenklappbar. Alle Elemente von Riemerschmids Entwurf waren maschinell herstellbar und damit ein erster Schritt in Richtung der umfassenden Gestaltung des Lebens durch die Maschine, was von Peter Behrens durch seine Arbeit für die AEG weitergeführt wurde.

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