Lattenstuhl ti 1a von Marcel Breuer

Der Lattenstuhl ist eine Ikone, die wie kaum ein anderer Entwurf die Prinzipien des Bauhauses verkörpert. Breuers Lattenstuhl ist der Startschuss für die Revolution des modernen Mobiliars.

Bereits 1922, während seiner Studienjahre am Bauhaus Weimar, versuchte sich Breuer an seiner ersten Version des Lattenstuhls, wohl inspiriert durch die Möbelentwürfe und Lehren der De Stijl-Bewegung, bei der in der Kunst eine vollkommene Harmonie durch den Einsatz von Vertikalen und Horizontalen sowie durch die Grundfarben Gelb, Rot, Blau erzielt werden sollte . Was Breuer nun entwickelte, war das Skelett eine Armlehnstuhls, ein Gestell aus Holzlatten und minimaler Stoffbespannung, das trotz einfacher Mittel maximale Stabilität und Komfort bieten sollte. Im finalen Entwurf von 1924 wurde der Lattenstuhl 'ti 1a' in der Tat zu einem Möbelstück, das alle ergonomischen Bedürfnisse erfüllte, dank der schräggestellten Sitzfläche und der perfekt platzierten Textilbänder. Für das Gestell wurden nur Holzlatten mit gleicher Stärke verwendet, was die Herstellung denkbar einfach machte. Der Stuhlentwurf war für die industrielle Fertigung gedacht, doch wie bei vielen Bauhaus-Modellen kam es nicht zur Massenproduktion. Zwischen 1924 und 1925 wurden wohl nur 26 Exemplare angefertigt.

Die bewusste Reduktion auf das Wesentliche konnte Breuer, der ab 1925 als ‚Jungmeister’ die Leitung der Möbelwerkstatt am Bauhaus in Dessau innehatte, letztendlich mit der Innovation seiner Stahlrohrmöbel zum Höhepunkt bringen. Das Material unterstrich nicht nur die Klarheit und die Fokussierung auf die Funktion, sondern ermöglichte auch eine industrielle Fertigung. Während die Wohnräume dieser Zeit noch von massivem Mobiliar beherrscht wurden, fungierten Breuers Entwürfe als Gegenpol. Sie waren keine klobigen Fremdkörper, sondern boten eine luftige Transparenz und öffneten sich mit der durchbrochenen Konstruktion dem Raum. Das reduzierte Material machte die Sitzmöbel leicht und somit mobil, diese konnten einfach im Raum verschoben werden.

Eine ganz besondere Stellung in dieser Entwicklung nahm der zusammenklappbare Klubsessel, genannt 'B4' ein, den Breuer erstmalig 1927 in Frankreich und im Folgejahr in Deutschland patentieren ließ. Seinem Vorgänger, dem beliebten 'Wassily'-Stuhl, der trotz seiner reduzierten Form immer noch ein stattliches Volumen besaß, hatte der 'B4' eines voraus. Er konnte platzsparend verstaut werden, gab den Raum frei, wenn dieser benötigt wurde und bot trotzdem den gleichen Komfort. Die Gegenüberstellung dieser beiden Entwürfe, die doch nur so wenige Jahre auseinanderliegen, zeigt Marcel Breuers stete Fokussierung auf seinem Weg vom Konstruktivismus zur Konstruktion.

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