Gallé, Emile (1846 – 1904)

Emile Gallé gehörte zu den wichtigsten Glaskünstlern des Jugendstils und trug mit seinen Entwürfen maßgeblich zur Renaissance der französischen Glaskunst bei. Seine Gläser stellte er mit herausragendem Erfolg auf den Weltausstellungen aus und konnte sich auf diese Weise einen internationalen Ruf erwerben.

Der Sohn eines erfolgreichen Fabrikanten für Keramik und Möbel machte seine ersten Erfahrungen in der Glaskunst in Meisenthal, Frankreich. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-71) begann er seine Arbeit in der Werkstatt des Vaters in Saint Clément. Nachdem die Firma nach Nancy umgezogen war, übernahm er die Leitung der Geschäfte und begann, auch selbst Glas zu produzieren.

Seine Entwürfe sind stark von der Natur geprägt, schon als Schüler interessierte er sich sehr für die Botanik, die er mit großem Eifer studierte. Auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1867 kam er zum ersten Mal mit der Kunst Vorder- und Ostasiens in Kontakt. Als Vorbilder dienten ihm neben den Originalen dabei die Werke im 'persischen Stil' von Philippe Brocard und Philippe Imberton für die Manufaktur Appert Frères in Clichy. Auch Eugène Rousseau, der Holzschnitte (sog. 'Mangas') des Japaners Hokusai als Vorbild für seine Dekore nahm, beeindruckte den jungen Gallé. Gerade in seinen frühen Glasentwürfen versuchte er, diese verschiedenen Strömungen mit einander zu verbinden.

Bereits bei seinem ersten Auftritt auf der Pariser Weltausstellung 1878 sorgte er für Aufsehen und erhielt für vier seiner Ziergläser die 'Médaille d'Or'. Gallé hatte so großen Erfolg, dass er auf der Jahrtausendschau in Paris 1900 selbstbewusst einen Querschnitt seiner Werke unter dem Titel 'Histoire du Verre 1878 – 1900' präsentieren konnte. Zusammen mit Freunden wie Victor Prouvé gelang es ihm, immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben und selbst mit neuen Formen, Farben und Techniken zu experimentieren, die nicht unbedingt auf traditionelle Vorbilder zurückgingen.

Zusammen mit den Brüdern Daum und dem als Möbelproduzent bekannt gewordenen Louis Majorelle gehörte er zu den Begründern der 'Ecole de Nancy', einer Designschule, die in Elsass-Lothringen viele Anhänger und Nachahmer fand und deren Name heute noch für qualitätvolle Produkte steht.

Emile Gallé war auch ein sehr politischer Mensch, der ab 1901 seine Ansichten in der Tageszeitung 'Etoile de l'Est' veröffentlichte und sich ohne Furcht auch mit Politikern anlegte. Obwohl kein Lothringer von Geburt, entwarf Gallé mehrere Dekore mit Symbolen der Lothringischen Identität (Lothringer Kreuz, Distelblüte), manche sogar mit Kommentaren im Lothringer Dialekt. Er kritisierte öffentlich den Skandal um den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus, der fälschlicher Weise des Hochverrats angeklagt und verbannt worden war und erst posthum, 1906, nach jahrelangem Prozess rehabilitiert wurde. Gallé selbst erlebte die Rehabilitation auch nicht mehr, er verstarb 1904 in Nancy.

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