Daum Frères

Die Familie Daum aus Lothringen war nach dem Deutsch-Französischen Krieg aus dem elsässischen Bitsch nach Nancy übersiedelt. Jean Daum, ein Jurist, übernahm 1878 dort die Glashütte Avril & Bertrand, die sich auf Uhrengläser und Service spezialisiert hatte. Sein Sohn Auguste (1853 - 1909), ebenfalls Jurist, stieg 1879 in die Firma ein und beschäftigte sich selbst intensiv mit der Glasproduktion. Neuer Wind kam zudem mit dem Einstieg des jüngeren Bruders Antonin (1864 - 1930) im 1887. Der studierte Ingenieur, mit Gespür für neue Trends, übernahm die künstlerische Leitung der Manufaktur während Auguste weiterhin mit den kaufmännischen Aspekten der Firma betraut blieb.

Beeinflusst von den Werken von Emile Gallé auf der Weltausstellung 1889, beschlossen die Brüder, neben ihren Gläsern für den täglichen Gebrauch auch Ziergläser in das Angebot aufzunehmen ('Gobeleterie'). Als sie 1893 in Chicago zum ersten Mal auf der internationalen Bühne mit diesen in Erscheinung traten, hatten sie großen Erfolg. Das führte dazu, dass die Firma bereits in den 1890er Jahren 300 Mitarbeiter an 12 Häfen und 2 Öfen hatte.

Die Brüder Daum experimentierten mit verschiedenen Farben, Formen und Techniken und fanden die Vorbilder für ihre Dekore meist in der Natur, womit sie in direkte Konkurrenz zu Emile Gallé traten. Der Streit der beiden erfolgreichsten Glasmanufakturen Lothringens wurde erst beendet als sich die Konkurrenten zusammen mit dem vor allem für Möbel bekannt gewordenen Louis Majorelle zur Ecole de Nancy zusammenschlossen.

Daum Frères gelang es, die innovativsten Glaskünstler ihrer Zeit an sich zu binden. So bekamen sie mit Henri Bergé einen vielseitigen Leiter des Entwurfsateliers, der sowohl naturgetreue Vorlagen für die Motive liefern konnte, als auch, zusammen mit Amalric Walter, sich der wiederentdeckten 'Pâte-de -Verre'-Technik widmete. Antonins langjähriger Freund Louis Majorelle konnte dazu gewonnen werden, Lampenfüße, Sockel und Montierungen für die Glaswaren der Firma beizusteuern. Mit Eugène Gall hatte die Manufaktur darüber hinaus einen sehr fähigen Hüttenmeister, der auch selbst für viele neue Entwürfe verantwortlich zeichnete.

1909 übernhahm der soh von August, Jean Daum die Firma und etablierte zusammen mit seinem Bruder Paul eine neue Stilrichtung, die sich an den stilisierten Formen des Art Déco orientierte. Nicht mehr die getreue Wiedergabe der Natur stand im Vordergrund, sondern Dekore meist in Ätztechnik, die teilweise nur mit unterschiedlichen Farben unterstützt wurden, beherrschten die Produktion.

Daum Frères gehörte zu den wenigen Firmen, die die Weltwirtschaftskrise von 1929 mehr oder weniger unbeschadet überstanden, indem sie sich auf die Gebrauchsglasproduktion zurückbesannen. 1935 erhielt die Firma den Auftrag, für den Luxusliner 'Normandie' die gesamten Tischglaswaren aus geschliffenem Kristallglas zu produzieren. Im Zweiten Weltkrieg lag die Glasproduktion still. Paul Daum hatte sich dem Widerstand angeschlossen und verstarb 1944 in einem Konzentrationslager.1945 wurde der Betrieb in Nancy durch die Familie wieder aufgenommen. Anfang der 1960er Jahre wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

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