Barovier, Ercole

Über fünfzig Jahre lang prägte Ercole Barovier mit seinen innovativen Entwürfen die Muraneser Glaskunst. Eigentlich sollte der Spross der alteingesessenen Glasbläsermeisterfamilie, deren Wurzeln bis in das 15. Jahrhundert reicht, eine Karriere als Mediziner anstreben. Nach dem Ersten Weltkrieg trat der mittlerweile Dreißigjährige jedoch in die Firma seines Vaters Benvenuto und seines Onkels Giuseppe ein, die erfolgreich als "Artisti Barovier" die Entwürfe mit Murrine von Vittorio Zecchin ausgeführt hatten.

Ercole stand nicht selber am Ofen, sondern konzentrierte sich von Anfang an auf technische Experimente und das Zeichnen neuer Entwürfe für das Familienunternehmen, das seit 1919 unter "Vetreria Artistica Barovier & C. firmierte. 1929 Gelang ihm der Durchbruch mit seinen "Primavera"-Gläsern. Presse und Kunden waren gleichermaßen begeistert von den milchig weißen Gefäßen, die sich durch ein feines, dekoratives Craquelé auszeichneten. Nach den Angaben von Ercole Barovier, der viele Vorträge auf Fachtagungen der Glasbranche hielt, entstand die neuartige Glasmasse mit Craqueléeffekt eher zufällig, und es gelang ihm in der Folgezeit trotz zahlreicher Versuche nicht, diese erneut herzustellen.

In den dreißiger und vierziger Jahren folgten weitere technische Experimente: 1932 kreierte Barovier die Serie "Acciaio", dunkelgraue irisierende Gläser, 1936 wurden die Modelle "Crepuscolo", "Autunno gemmato", "Marina gemmata" und "Laguna gemmata" vorgestellt, deren Farbgebung durch Einschlüsse von Fremdmaterialien wie Eisenwolle und Metallen erzielt wurde. Gleichzeitig entwarf Barovier, der nun alleiniger Eigner der Firma war und eine Fusion mit S.A.I.A.R bewirkte, dickwandige Gefäße mit Applikationen, die auf der internationalen Ausstellung in Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurden. Im Gegensatz zu vielen anderen Muraneser Gläsern, waren diese aufgrund ihrer stabilen Beschaffenheit nicht nur zur Dekoration, sondern für den Gebrauch bestimmt. Genauso wie das "Rostrato"-Glas, aus dem Ercole Barovier besonders große Objekte und sogar ein Bett realisierte.

Während des zweiten Weltkrieges stagnierte die Produktion der Firma, die aufgrund neuer Teilhaber 1938/39 in "Barovier-Toso & C." umbenannt wurde. Nach dem Krieg widmete sich Ercole Barovier den traditionellen Techniken der Glasbläserkunst. Auf der ersten Biennale präsentierte er die Serie "Murrino", deren Dekore aus kleinen gleichförmigen Glasquadraten basieren. Verkaufsschlager wurden jedoch die durch dicke Rippen strukturierten Vasen, Schalen, Fische und Vögel mit eingeschlossenen spiralig verlaufenden Goldbändern, die den Titel "Cordonato oro" tragen.

Ab den fünfziger Jahren konzentrierte Ercole Barovier seine Entwurfstätigkeit auf zwei Schwerpunkte: Die "colorazione a caldo senza Fusione" (Färbung in heißem Zustand ohne Verschmelzen) und die Auslotung der Möglichkeiten der Murrine-Technik. So entstehen unterschiedliche Entwürfe wie die "Barbarici", die mit ihrer korrodierten Oberflächen an antike Ausgrabungsstücke erinnern und die "Millefili" mit zartem Streifendekor, der den schlicht geformten, eher dünnwandigen Vasen eine fragile Eleganz verleiht. Im Jahr 1951 wurde der unermüdliche Designer mit einer Einzelausstellung im Angelicum in Mailand geehrt, 1952 folgte die Ehrung als "Cavaliere del Lavoro", als "Ritter der Arbeit". Bis ins hohe Alter blieb Ercole Barovier kreativ, wobei er vor allem die Möglichkeiten der Murrine-Technik erprobte. 1972, zwei Jahre vor seinem Tod, brachte der mittlerweile Zweiundachtzigjährige die Serie der "Neo-Murrini" auf den Markt, mit der er seine über fünfzig Jahre andauernde Karriere als Glasdesigner abrundete. Nachfolger wurde sein Sohn Angelo Barovier, der führende Designer wie Toni Zuccheri und Mateo Thun für eine Zusammenarbeit gewinnen konnte.

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