Arteluce

Lampendesigner Gino Sarfatti gründete die auf Leuchten spezialisierte Firma im Jahr 1939 mit dem Ziel seine eigenen Entwürfe herzustellen und die von jungen Kollegen zu vermarkten, die seine Leidenschaft für minimalistisches Design und die Gestaltung von Leuchtkörpern teilten. Eigentlich hatte der aus sehr wohlhabenden Verhältnissen stammende Sarfatti in Genua eine Ausbildung zum Luftfahrtingenieur begonnen. Doch aufgrund finanzieller Probleme seines Vaters brach er sein Studium ab, um Geld zu verdienen. Ab 1934 arbeitete er als Repräsentant der Muraneser Manufaktur ‚Lumen’ in Mailand. Durch einen Zufall entwarf der 1912 in Venedig geborene Sarfatti dann 1938 seine erste Lampe für einen Freund seines Vaters. Sie bestand aus einer Muranovase als Fuß, einem Lampenschirm und einem aus einer Kaffeemaschine stammenden Reflektor.

Zu Beginn seiner Karriere als Unternehmer kümmerte sich Gino Sarfatti um alles selbst. Er entwarf und organisierte gleichzeitig auch das Marketing und den Verkauf seiner Produkte in seinem 1953 eröffneten Laden in der Via Matteotti in Mailand. Bald wurde er zu einem Treffpunkt für gleich gesinnte Architekten und Gestalter wie Franco Albini, Massimo Vignelli und Vittorio Vigano. In den Nachkriegsjahren war Arteluce schnell erfolgreich. Gio Ponti berichtete über Sarfatti in seinem Magazin Domus. Den Durchbruch erzielte der Autodidakt in der Leuchtenbranche mit dem Compasso d’Oro, den er 1954 für das Lampenmodell ‚559’ erhielt.

Das Angebot unserer Auktion dokumentiert mit zahlreichen Modellen die akribische Suche des Firmengründers nach innovativen Beleuchtungsideen. So weist das rationale Design der Stehleuchte 1063 (Katalognr. 136), die aus einer über zwei Meter langen Leuchtstoffröhre besteht und auf einem Fuß aus lackiertem Metall befestigt ist, weit über das Lampendesign der fünfziger Jahre hinaus und setzt heutzutage genauso so wie vor über fünfzig Jahren einen kunstvoll minimalistischen Akzent in jedem Ambiente. Ebenso bekannt wie bahnbrechend ist der Kronleuchter ‚2097’, der in der angebotenen Variante mit 30 Glühbirnen bestückt ist (Katalognr. 137). Typisch für Sarfatti sind die freiliegenden Kabel, die in ihrem unregelmäßigen Verlauf immer einen spannungsreichen Kontrast zum konstruktiven Gestell der Lampen bilden. Viele Entwürfe entstanden nicht, wie man es sich vielleicht vorstellt, in genialischer Alleinarbeit am Zeichentisch, sondern in Zusammenarbeit mit seinen Technikern und Handwerkern, wie Sarfatti in einem Interview mit Jean-Francois Grunfeld berichtete: „Die Form ist nicht wichtig. Sie kommt, wenn die Idee realisiert ist. Ich habe mein ganzes Leben lang über Lampen nachgedacht, aber ich habe nie Lampen gezeichnet...Ich habe mit meinen Handwerkern und Technikern gesprochen, um ihnen zu erklären, was ich wollte, und eines Tages war die Lampe da.“

Neben Sarfatti-Klassikern illustriert das Angebot der Auktion auch die große Bandbreite von Tischleuchten, die nach dem Entwurf italienischer und internationaler Designer und Künstler von Arteluce in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren produziert wurden. In den frühen siebziger Jahren entwarf Germano Celant nach einer Vorlage des russischen Konstruktivisten Alexander Rodtschenko die grau lackierte Tischlampe, die mit geschätzten € 4.000 angeboten wird (Katalognr. 140). Später wurde dieses Modell von der Firma Luceplan hergestellt. Da es den Arteluce-Aufkleber trägt, muss es sich hier um eine Art Prototyp handeln. Von der Mailänder Architektin Cini Boeri stammt der Entwurf für das Modell ‚602’ (Katalognr. 145). Franca Helg, die nicht nur in Mailand, sondern auch in Südamerika, München und Barcelona Lehraufträge hatte, entwarf 1963 das Model '601' (Katalognr. 141). Aus dem Jahr 1981 stammt der Entwurf für die Stehleuchte 'Bis' von Bruno Gecchelin (Katalonr. 153). 1974 hatte Gino Sarfatti seine Firma an Flos verkauft. Unter den neuen Eigentümern besteht Arteluce weiter als eigene Produktlinie. Die Familientradition wird jedoch von Sarfattis Sohn Riccardo (verstorben im September 2010), dessen Frau, Sandra Severi Sarfatti und dem bekannten Designer und Architekten Paolo Rizzatto weitergeführt, die 1978 die Firma Luceplan gründeten. Mit ihren eigenen und den Entwürfen junger internationaler Designer knüpft Luceplan an die Innovationskraft und Kreativität von Gino Sarfatti an.

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