Moderne Kunst

Pop Art - Picasso Keramik - Ausgesuchte Werke

Vorbericht

Die Auktion Moderne Kunst startet am späten nachmittag des 27. Juni mit dem Kapitel ‚Picasso & Friends‘, danach kommen die ‚Ausgewählten Werke‘ zum Aufruf. Das Hauptkapitel der Auktion ist der Pop Art gewidmet.

Zu der Offerte von ‚Picasso & Friends’ zählen Fotografien von Picasso, druckgraphische Arbeiten von ihm oder ihm nahestehenden Künstlern und die Keramiken. Das markanteste Objekt darunter ist ein großer Krug für Madoura mit dem Titel ‚Visage aux yeux rieurs‘ entworfen im Jahr 1969. Die Bemalung macht dem Titel des in 300 Exemplaren ausgeführten Kruges alle Ehren (Katalog Nr. 493, Schätzpreis € 26.000-32.000).

Unter den ‚Ausgewählten Werken‘ zählt eine Arbeit von Maxim Cole zu den herausragenden Objekten. Sie trägt den Namen ‚Arabella’, stammt aus dem Jahr 1999 und wurde in der Stuttgarter Galerie Michael Sturm erworben. Der heutige Managing Editor des Magazins ’Art in America’, Richard Vine, beschrieb die Malerei von Max Cole so: 'Zahllose, vertikal aneinander gesetzte Striche werden zu Zeilen gereiht, die unmittelbar aneinanderstoßen oder sich geringfügig überlappen. Breite, pastose Linien folgen, ja unterstreichen die so gegebenen Horizontalen und gelegentlich werden die natürlichen Linien, in denen sich die Schraffuren berühren, von den satten Streifen überdeckt. Wie durch Jalousien wird das Hell-Dunkel reguliert. Die Grundstimmung ist durch das Gitter der ungezählten Vertikalen gegeben, aus denen sich die Horizontale summiert. Der große, allgemeine Lichtwert ergibt sich aus den pastosen Linien, denen grundsätzlich eine Tendenz zum Verdunkeln eigen ist, selbst wenn die Farbe licht und offen ist. Der Betrachter könnte sich an aufgeschlagene Partituren erinnert fühlen, die eine unmögliche Musik versprechen, oder er sieht Kaligraphien, die sich unendlich weit vom Dienst des Erzählens entfernt haben'(Katalog Nr. 499, Schätzpreis 12.000-15.000 Euro).

Zu den besonders interessanten Objekten des Kapitels zählen auch zwei Arbeiten auf Papier (Kollagen) von Martin Kippenberger, die aus dem Projekt für die Telefonkarte ‚Roger‘ im Jahr 1992 hervorgegangen sind (Katalog Nrn. 502 und 503, Schätzpreis jeweils 10.000-15.000 Euro). Die Edition der Künstlertelefonkarten war ein Projekt von Jochen Unold für das FTZ, die heutige Telekom, mit Martin Kippenberger. Ursprünglich waren 20.000 dieser Karten geplant, es wurden jedoch nur wenige von Gieseke und Devriant produziert, da die Telefonkarte als solche durch das Aufkommen des Mobilfunks plötzlich obsolet war. Daraufhin wurden wenigstens 100 dieser Karten an einen Sammler überreicht, die Martin Kippenberger signierte. 25 Karten davon gingen übrigens in die Sammlung von Bärbel Grässlin ein.

In der Sektion Kunst nach 1945 gibt es außerdem zwei in Weiß gehaltene Arbeiten in unterschiedlichen Techniken von Herbert Zangs, die exemplarisch für des Künstlers Neigung zu dieser Nichtfarbe stehen. Dabei handelt es sich um eine ‚Abstrakte Komposition‘ aus weiß getropften Punkten, datiert von Künstler auf 1955, dennoch wohl später entstanden, und ein Blasenbild in Acryl und Seidenpapier auf Leinwand aus dem Jahr 1978. Beide Arbeiten lagen der Expertin Frau Helgard Müller-Jensen in Karlsruhe zur Begutachtung vor (Katalog Nrn. 516 und 517, Schätzpreise 8.000-10.000 und 5.000-7.000 Euro). Den Bereich der Klassischen Moderne führt ein kubistisches Gemälde des Franzosen und Zeitgenossen von Pablo Picasso Jean Souverbie an. Es entstand im Jahr 1925 und wurde seit den 1980er Jahren in einer süddeutschen Privatsammlung verwahrt. Der Enkel des Malers, Frédérick Souverbie, zugleich Experte für das Werk seines Großvaters, weist die ‚Baigneuse dans un paysage‘, die auch unter dem Titel ‚Nu allongé‘ bekannt ist, als ein Hauptwerk des Künstlers aus dessen kubistischer Periode aus. Das Gemälde war mehrfach ausgestellt und trägt u.a. die Provenienz der kleinen, dennoch epochemachenden Pariser Galerie Vavin-Raspail, die viele der avantgardistischen Zeitgenossen von Jean Souverbie ausstellte (Kat. Nr. 512, Schätzpreis 15.000-20.000 Euro).

Das umfangreiche Kapitel ‚Pop Art‘ bringt Positionen, oftmals als leicht erschwingliche Editionen für Einstiegssammler, aus aller Herren Länder zusammen. Neben den gängigen, oftmals historischen Positionen aus den USA, Großbritannien und auch Deutschland finden sich solche aus Indien, China, Thailand. Diese Künstler, meist in westlichen Ländern bislang übersehen, stehen in ihrer Heimat für Pop Kultur und ihre - teilweise auch kritisch aufgefasste - Themenwelt. Von einem deutschen Vertreter der Pop Art, dem in Frankreich lebenden Peter Klasen, stammt eine vierteilige Installation in Mischtechnik mit Neon. ‚Love‘ ist ihr Titel und sie entstand im Jahr 2003 innerhalb einer Serie, die sich mit ‚Love‘ and ‚Hate‘ und verwandten Inhalten beschäftigt. Ähnliche Arbeiten wie diese in der Auktion sind in der 2009 erschienenen Monographie ‚Peter Klasen - Oeuvres 1959-2009’ von Pascale Le Thorel veröffentlicht (Kat.Nr. 539, Schätzpreis 20.000-30.000 Euro). Wer für die Sommerfrische im Garten oder Park eine heitere Außenskulptur sucht, dem wird die überlebensgroße ‚Yellow Figure‘ von Allan Jones zusagen. Die geschwungene, in Gelb gefasste Stahlskulptur wurde 1996 von der Edition Huber verlegt (Kat.Nr. 535, Schätzpreis 6.000-8.000 Euro). Von dem Shooting-Star der Pop-Art-Szene, dem in Deutschland geborenen und mittlerweile in London lebenden Maler Maximilian Wiedemann, stammt ein großformatiges, in Mischtechnik gestaltetes Gemälde. Links unten ist es in Sprühtechnik süffisant ‚The only pain is champagne‘ betitelt. Es entstand im Jahr 2016 und gehört in die Serie ‚Vogue‘, die schon prima vista erahnen lässt, woher der Künstler seine Inspirationen hat. Dazu führt Wiedemann selbst aus: ‚Ich liebe es, Straßenkontext mit Mode und Luxus zu kombinieren. Ich war immer der Meinung, dass dies eine kraftvolle Kombination war, da das Rohe der Street Art und des Hip Hop der High-End-Modewelt und dem Luxusmarkt etwas Kantiges verleiht‘ (Quelle: Website des Künstlers www.maximilianwiedemann.com) (Kat.Nr. 600. Schätzpreis 10.000-15.000 Euro).

Ein spannendes Objekt mit München-Bezug ist die Bronze ‚Camera‘ von Eduardo Paolozzi aus dem Jahr 1982, seiner frühen Zeit als Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. Die kleine Bronze entstand im Rahmen seiner sogenannten 'morphologischen Skulpturen‘. Die große Version der 'Camera', in der Auktion wird die reduzierte Version in Form einer Bronze geboten, entwarf er für die Grünfläche am Europäischen Patentamt in München. Winfried Konnertz setzte sie in folgenden Kontext. 'In der 'Camera' 'durchdringen sich geologische Formationen und architektonische Elemente. Die ersten Gipsmodelle lassen an ein Amphitheater, einen sakralen Festplatz oder an eine Felsenburg denken. Entstanden ist diese Form aus dem Diagramm eines Schnittes durch eine Fotokamera. Eine nach dieser Vorlage entstandene Radierung, 'Camera', übernimmt das 'image' in unveränderter Fassung und reichert es mit Binnenstruktur an. (…) Die dort gefundenen Formen werden in Zeichnungen und kleine Gipsmodelle umgesetzt, mit deren Hilfe Paolozzi die endgültige Darstellung der Eisenskulptur ausarbeitet' (Konnertz, Eduardo Paolozzi, Köln, 1984, S. 237). Die in der Auktion gebotene Bronze war ein Geschenk von Paolozzi an seinen Mitarbeiter im Studio. Dieser wiederum überreichte sie dem aktuellen Besitzer (Kat. Nr. 562, Schätzpreis 3.000-4.000 Euro).

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Einlieferungsschluss ist Mitte April 2019.