Ferdinand Preiss
'Schüchternheit', 1920er Jahre

Ferdinand Preiss

Unbekleidete junge Frau im Kontrapost. H. 27,6 cm (mit Sockel). Geschnitztes Elfenbein, teilweise farbig bemalt. Plinthe und Sockel sign.: F. Preiss (graviert). Kompositsockel aus schwarzem Marmor und Onyx.

Schätzpreis: 20.000 € - 25.000 €

159C - Jugendstil - Art Déco Teil II
17. November 2021 um 15:00

Literatur:

Johann Philipp Ferdinand Preiss begann seine Ausbildung in der Elfenbein-Schnitz-Werkstatt seines Onkels Philip Willmann. Nach seinem Abschluss blieb er noch ein paar Jahre weiter für seinen Onkel tätig und bildete sich daneben an der neu gegründeten Berufsfachschule in Erbach weiter. Reisen und Studienaufenthalte führten ihn u.a. nach Berlin, Mailand und Paris. 1907 war er kurzfristig in der Firma von Karl Haebler in Baden-Baden tätig, wo er seinen späteren Kompagnon Arthur Kassler kennen lernte. Zusammen gründeten sie in Berlin die Firma ‚Preiss & Kassler Werkstatt für Elfenbein und Kunst'. Mit immerhin sechs Angestellten fertigten sie Skulpturen, kleine Gegenstände und Schmuck aus Elfenbein. Kassler kümmerte sich um die Finanzen während Preiss von Anfang an die künstlerische Leitung der Werkstatt übernahm. Bald begann er damit, die antike Technik des Chryselephantin (Chrys= Gold; elephantinos= aus Elfenbein) wieder aufleben zu lassen. Bis zum ersten Weltkrieg, als die Werkstatt temporär geschlossen werden musste, hatten Preiss & Kassler mit diesen Figuren, die zu der Zeit noch dem klassischen Stil huldigten, großen Erfolg im In- und Ausland. Die Bronzeteile dafür erhielt er von der bekannten Berliner Gießerei H. Gladenbeck & Sohn. Nach Beendigung des Krieges gab es zunächst Schwierigkeiten, Material für Figuren zu bekommen, es gelang Preiss aber mit einem neuen Stil, das pralle Leben der nun ‚Goldenen Zwanziger' abzubilden und damit das Interesse der Kunden in Deutschland und auch im Rest der Welt wieder zu entfachen. Die hier angebotene Figur „Schüchternheit“ ist ein wunderbares Beispiel für die Übergangsphase.

Shayo, Ferdinand Preiss, Woodbridge 2005, S. 90.