Jugendstil - Art Déco

Vorbericht

Eine kleine Kollektion früher, vor 1890 entstandener Vasen von Emile Gallé dokumentiert sehr schön die Anfänge des Lothringischen Art Nouveaus. Hier besticht besonders die auf das Jahr 1884 datierte Vase ‚Plumes de Pâon‘, die auf € 15.000 - 18.000 taxiert ist. Sie ist ein sehr elegantes und wegweisendes Exemplar, das viele technische Produktionsprozesse verbindet - auf dem bernsteinfarbenen Korpus sind Nuppen sowohl innen als auch außen aufgeschmolzenen, also eine Bearbeitung ‚à chaud‘ (im heißen Zustand). In aufwendiger, ‚kalter‘, Schnitttechnik ist ein stilisierter Pfauenfederdekor auf der Außenwandung angebracht, der untere und obere Mündungsrand ist vielfarbig emailliert, den Federdekor aufgreifend - also ebenfalls eine kalte Technik. Der an der Mündung in Gold angebrachte Schriftzug ‚Je suis fier de mes couleurs' (ich bin stolz auf meine Farben) erhebt diese Vase in das Genre der ‚Verreries parlantes‘ (sprechende Vasen). Knapp 20 Jahre später, 1903, also ein Jahr vor seinem Tod schuf Gallé die hochbedeutende und äußerst seltene Schale ‚Larmes de soude‘ (€ 90.000 - 120.000). In jener Zeit beschäftigte sich Gallé, wohl bedingt durch seinen schlechten Gesundheitszustand, immer häufiger mit symbolistischen Inhalten. Leben und Tod, Tag und Nacht, Licht und Schatten und die vier 'Elemente' Feuer, Wasser, Erde, Luft finden sich in seinem Werk. Das aus der Erde quellende Soda (‚soude‘) ist auf der Schale dargestellt - es läuft in langen Tropfen (‚larmes‘), die Wandung hinab. Soda ist ein Salz mit vielseitigen Anwendungsgebieten, essentiell sowohl bei der Herstellung von Seife und anderen Reinigungsmitteln sowie bei der Herstellung von Glas. Die Gebrüder Daum wählen, genau wie bei der zuvor erwähnten Schale von Gallé, bei Ihrer um 1910 entstandenen Vase ‚La Coloquinte‘ die skulpturale Darstellung des Gefäßes. Das auf € 15.000 - 18.000 taxierte Gefäß in Form eines Zierkürbis’ mit kleiner seitlicher Öffnung besticht nicht nur durch die freie Ausformung sondern auch durch ein leuchtendes Farbspektrum, das durch plastisch aufgetragene Email-Pulver (‚Vitrifications‘) entsteht. Eine kleine österreichische Privatsammlung bereichert das Angebot von Lötz-Vasen. Hier sei die nach einem Formentwurf von Koloman Moser entstandene Vase mit ‚Argus‘-Dekor und einer Taxe von € 9.000 - 12.000 als erstes genannt. Auch eine auf € 5.000 - 8.000 taxierte Vase mit dem ‚Weltausstellungs‘-Dekor nach Franz Hofstötter wird Sammlerherzen höher schlagen lassen, sowie einige weitere Vasen mit sehr seltenen Dekoren, die alle vor 1904 entstanden sind.

Ausgewählte Kleinskulpturen, Mobiliar und Kunsthandwerk kommen am Folgetag im zweiten Teil der Jugendstil-Auktion an die Reihe. Begonnen wird mit Bronze- und Elfenbeinfiguren, die durch ihre feine Beschaffenheit und die meisterhafte Ausführung eine ganz besondere Anziehungskraft besitzen. Hervozuheben sind hier die ‚Bayadère‘-Tänzerin im aufwändigen Kostüm mit Ballonrock von Demètre H. Chiparus (€ 30.000 - 40.000) und Ferdinand Preiss’ heldenhafte und zeitgleich zarte ‚Diana‘ (€ 25.000 - 30.000). Die ‚Serpentina‘ von Otto Poertzel, in einer fast verführerischen Tanzpose zieht alle Blicke auf sich und wird mit € 20.000 aufgerufen. Es folgen eine Reihe weiterer Elfenbeinfiguren, die den Zeitgeist der Art-Decó-Epoche eindrucksvoll wiedergeben. Ein weiteres Highlight ist die seltene emaillierte Tischuhr von Cartier mit diamantverzierten Rosetten im Silberkorpus (€ 30.000 - 40.000). Schwungvolle Linien, intarsierte Holzelemente und florale Motive kennzeichnen die Möbelstücke des Jugendstils, darunter das ‚Iris‘ Schränkchen von Louis Majorelle (€ 6.500 - 8.000) und die auf € 6.000 - 8.000 taxierte Etagere von Emilé Galle. Ein weiteres Meisterwerk ist die blattvergoldete Vitrine von Curt Stoeving mit geschnitztenm Triton- und Nereidemotiv (€ 5 000 - 7 500), die bereits 1903 auf der großen Kunstausstellung in Dresden präsentiert wurde.

Alle Stücke unserer kommenden Auktion können Sie ab dem 7.11.2019 im Rahmen der Vorbesichtigung sehen.