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Auktion 094C: Sammlung Dolf Selbach - Jugendstilglas - 15.02.2011

Dolf Selbach und seine Sammlung von Jugendstilgläsern


Nicht nur in der Modebranche war der im Februar 2010 verstorbene Dolf Selbach als einer der erfolgreichsten deutschen Herrenausstatter bekannt für seinen guten Geschmack und seinen Sinn für Qualität. Auch als Kunstsammler bewies er einen untrüglichen Sinn für das Schöne und eine große Stilsicherheit wie die 76 Vasen seiner Sammlung von Jugendstilgläsern illustrieren. Seit den siebziger Jahren trug er besonders schöne Stücke von Tiffany, Lötz, Daum und Gallé zusammen.

Glanzstück der angebotenen Kollektion ist zweifelsohne die Tiffany-Vase aus dem Jahr 1901 mit gekämmten Faden- und Streifendekoren, die zu einem Schätzpreis von 9.000 bis 14.000 angeboten wird (Katalognr. 1). Besondere Aufmerksamkeit verdienen jedoch auch zwei Phänomen-Vasen von Franz Hofstötter, die beide 1900 datieren (Katalognr. 55,56).
 

Die Modebranche revolutionierte Dolf Selbach Ende der fünfziger Jahre, als die Twens so aussahen wie ihre Väter, mit sportlichen Entwürfen. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft und einer Lehrzeit bei dem legendären Herrenausstatter Herbert Stock gründete der 1930 in Remscheid geborene Sohn eines Großhändlers für Technische Textilien sein erstes Geschäft in der Berliner Allee in Düsseldorf. 1962 eröffnete Selbach einen eleganten Laden an der Königsallee, 1965 folgte ein weiteres Geschäft am Kurfürstendamm in Berlin, und 1968 startete er am Jungfernstieg in Hamburg. Selbach hatte eigene Vorstellungen von Mode und entwarf Hosen, Hemden, Jacken und Pullover erst einmal selbst, bevor er ab Mitte der siebziger Jahre als einer der ersten Einzelhändler die Stars der Mailänder und Pariser Modemessen von Pierre Cardin, über Versace und Cerruti bis hin zu Kiton und Zegna nach Deutschland holte. Als Liebhaber von Kunst und Architektur gestaltete er seine Verkaufsräume nach eigenen Ideen. Junge Kunden versuchte er zu gewinnen, indem er seine Geschäftsräume nach Pariser und New Yorker Vorbildern mit Bars und Diskomusik belebte. An den Wänden hingen Bilder aus seiner Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst. Selbach pflegte gute Kontakte zu den Künstlern, die er sammelte und ließ sich von Andy Warhol porträtieren. In Berlin bewohnte er ein Biedermeierhaus und förderte die Staatsoper Unter den Linden. In Kampen auf Sylt verbrachte er seine rare Freizeit in einem 250 Jahre alten Bauernhaus. In seinem Düsseldorfer Duplex mit Dachgarten hingen Werke von Poliakoff, Archipenko, den Zero-Künstlern Uecker, Piene, Mack, mit Richard Lindner, Salomé, Middendorf, Fetting und Botero. Als Selbach 1999 sein Unternehmen verkaufte, war er der Kopf eines weltweit bekannten Modehauses.
 

Nur wenige Menschen kannten Dolf Selbachs Passion für Jugendstilgläser. Schon in den 1970er Jahren trat er oft als erfolgreicher Bieter bei Wolfgang Ketterer in der Villa Stuck in München auf. Dort erwarb er auch die große Tiffany-Vase, die schon 1979 auf dem Cover von Albrecht Bangerts Buch Glas. Jugendstil und Art Deco, München, abgebildet war und die auch das Titelblatt unseres Auktionskatalogs schmückt.
 

Wir freuen uns, Ihnen diese kleine, aber feine Kollektion anbieten zu können.