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Auktion 100A: Daum Frères en miniature - Sammlung Eva Homberg - 06.12.2011


Daum Frères en miniature - Sammlung Eva Homberg


Anlässlich der 100. Auktion freuen wir uns sehr, eine wohl weltweit einmalige Kollektion von Vasen und Lampen von Daum Frères anbieten zu dürfen, die Eva Homberg in den letzten dreißig Jahren, also lange bevor die Produktion der Glasmanufaktur monografisch von Christophe Bardin ausführlich untersucht worden ist, mit einem feinen Gespür für höchste Qualität und Seltenheit von Motiven und Formen zusammengetragen hat. Im Jahr 2006 wurde die Sammlung im Museum Zons in Dormagen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die 187 Objekte umfassende Kollektion beinhaltet zahlreiche besonders qualitätvolle Miniaturvasen.

Miniaturvasen waren vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre eine Spezialität der Gebrüder Daum. Bereits auf der Ausstellung für angewandte Kunst in Lothringen, auf der 'Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Lorrains', im Jahr 1894 waren solche kleinen Vasen ausgestellt, wie man auf einer historischen Fotografie der Abteilung der Manufaktur erkennen kann. Die Arbeit an diesen Miniaturen verlangte einen besonders geschulten Mitarbeiterstab. In der Manufaktur wurde deshalb schon in den frühen 1890er Jahren eine eigene Zeichenschule ins Leben gerufen, in der bis zu zwanzig Lehrlinge ausgebildet wurden. Die Ausführung der Miniaturen erforderte eine große Meisterschaft. Namentlich bekannt sind Meister wie Henri Bergé, Emile Wirtz, Jacques Gruber oder die Gebrüder Schneider. Die meisten Vasen der Sammlung Homberg sind mit dem Signet der Manufaktur versehen, Daum Nancy und Lothringer Kreuz. Bei manchen Gläsern wurden an der Unterseite der Miniaturen die Monogramme der ausführenden Dekorateure angebracht.

Kleinste Gefäße mit feinsten Dekorationen entstanden auch im Rahmen der Service, zu denen oft kleine Likörgläser und Schalen gehörten, bei deren Herstellung die Fähigkeiten der Glasbläser besonders herausgefordert wurden. Die Service wurden wie die Vasen mit traditionellen lothringischen Motiven dekoriert. Aufgrund der hohen Qualität der kleinen Vasen und Gefäße avancierten diese schnell zu begehrten Sammlerobjekten. So zieren mehrere dekorierte Vasen und Flakons von weniger als 10 cm Höhe ein Regal der Gebrüder Daum auf der Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893.

In eindrucksvoller Weise führt die Kollektion von Eva Homberg die Bandbreite der Dekore und Formen der Manufaktur vor Augen, die sich ab 1899 unter der Leitung der Brüder Auguste und Antonin Daum auf Kunstgläser spezialisiert hatte. So gehören zu den frühesten Dekorationsmotiven in der Sammlung Landschaften in Schwarzlot, in denen auch Szenen aus den in Frankreich berühmten und beliebten Fabeln von Jean de La Fontaine eine Rolle spielen. Die Malereien auf dem Salzschälchen mit der Katalognummer 1 verweisen beispielsweise auf die Fabel ‚Le rat et l’huître' (die Ratte und die Auster). Und auch volkstümliche Märchen dienten den Dekorateuren als Inspirationsquellen für ihre Verzierungen. So zeigt die Vase mit der Katalognummer 6 eine Gänsemagd nach einem Märchen der Gebrüder Grimm. Die Pointe der feinen Darstellung besteht darin, dass die Magd in Elsässer Tracht versucht, den Gänsen anstatt des Gänsemarsches Kunststücke beizubringen – ein Seitenhieb gegen die Preußen; zwischen 1871 und 1918 gehörte das Elsass zum deutschen Kaiserreich.

Im reichen Repertoire der Sammlung sind natürlich auch die beliebten Motive mit wilden Blumen und gezüchteten Pflanzen zu finden, die in unterschiedlichen Techniken (geschnitten, geätzt und emailliert) ausgeführt worden sind wie die Katalognummern 26 bis 32 und 44 bis 53 besonders eindrucksvoll illustrieren. Außerdem entwickelte die Manufaktur Daum Frères im Laufe der Jahre eine vielfältige Palette unterschiedlichster Landschaften. Zu den frühesten gehören die monochromen 'Paysage de Delft' (Katalognummern 12 – 25). Es folgten Baumlandschaften, die die Jahreszeiten in einer großen Farbpalette wiedergeben. Zu den seltenen Motiven gehören die so genannten ‚Pluviose’, die Regenlandschaften, die nach dem fünften Monat des Republikanischen Kalenders der Französischen Revolution benannt wurden. Die stimmungsvollen Landschaften wurden durch eine fein nuancierte Farbgebung zu unterschiedlichen Tageszeiten dargestellt.
Schließlich wurde die Palette der französischen Landschaften erweitert durch Motive aus anderen Ländern, die mit schönen Beispielen in der Sammlung Homberg vertreten sind. Die Katalognummern 75 bis 81 zeigen Szenen vom Nil, und die Katalognummern 114 bis 116 zeigen die Ansicht der Lagune von Venedig ‚Venise’.

Zu den seltensten Objekten der Kollektion Eva Homberg gehören jedoch die drei Lampen die Lampe ‚Paysage mauve'‚ die Deckenlampe 'Arbres en hiver’ sowie die Tischlampe ‚Arbres en hiver’. Lassen Sie sich verzaubern.

 

Pierre Brossard