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88. Auktion: Design

Auktion 088 am 9. Februar 2010
Design - Murano Glas

Nachverkauf bis 09.03.2010
Onlinekatalog
Gebotsformular (PDF)
Ergebnisliste (PDF)
Liste der unverkauften Objekte (PDF)

Unsere Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag, 10 - 13 und 15 - 18 Uhr
Samstags, 13 - 17 Uhr
 

Nachbericht


Verschneites Frühlingserwachen beim Design

2010, im 91. Jahr nach Gründung des Bauhauses sind Entwürfe der frühen Moderne wieder besonders gefragt. Der Schreibtisch ‚B-91’ des Bauhaus Architekten Marcel Breuer (Entwurf 1932, Schätzpreis € 2.500) erzielte € 2.900, eine frühe Variante seines ‚B-6’ Stuhles (Entwurf 1925/26) wurde zum Schätzpreis von € 800 zugeschlagen. Heiß begehrt auch diesmal wieder das Bauhaus Schachspiel Josef Hartwigs (Entwurf 1924); die Holzfiguren in der von Joost Schmidt gestalteten Pappschachtel fanden erst bei € 10.000 Zuschlag den Weg in eine deutsche Privatsammlung. Das 1929 entworfene und bei der Fa. Fuld hergestellte ‚Bauhaustelefon’ erzielte nach dem herausragenden Ergebnis bei der Bauhausauktion im letzten Jahr (Zuschlag € 5.500) auch zum diesjährigen Saisonauftakt ein äußerst zufrieden stellendes Ergebnis; für € 2.200 konnte sich ein berühmtes amerikanisches Museum gegen den deutschen Handel durchsetzen. Privat erworben wurde hingegen Hin Bredendiecks Deckenpendel ‚414am’, 1928 für Körting & Mathiesen (Kandem) entworfen; Zuschlag € 300 über dem Schätzpreis von € 1.500.
Im gleichen Geist der Moderne entstanden auch die frühen Entwürfe von Poul Henningsen, Eileen Gray und Wells Coates. Henningsens elegante Deckenleuchte ‚PH 4/4’, im Jahr 1927 entworfen, steigerte sich auf € 2.600; € 600 über dem Schätzpreis. Der um 1935 entworfene Schreibtisch von Wells Coates wurde zum Schätzpreis von € 2.200 zugeschlagen. Der für Eileen Grays Haus ‚1027’, zwischen 1925-30 entworfene, kleine Frisiertisch wurde erst beim Preis von € 1.600, € 300 über der Schätzung, abgegeben. Alle drei Stücke gingen an Privathaushalte in Deutschland und den Niederlanden.
Der Tradition des Bauhauses verpflichtet war auch die Hochschule für Gestaltung in Ulm; Max Bills Ulmer Hocker (Entwurf um 1953) steht sinnbildhaft für die Ausrichtung der Schule: Reduktion und Funktionalismus. Ein solches Exemplar, aus dem ehemaligen Haushalt des genialen Grafikers und Gestalters Otl Aicher, konnte sich ein Münchner Sammler erst für € 5.500 sichern; fast das Doppelte des Schätzpreises (€ 2.800). Die berühmte Küchenuhr Max Bills (entworfen für Junghans 1956/57) war einem anderen deutschen Sammler das Dreifache des Schätzpreises wert; für € 2.100 gewann er das Bietgefecht gegen ein amerikanisches Museum.

Aus dem Salon des berühmten deutschen Modedesigners Uli Richter stammen acht ‚Montreal’-Stühle, entworfen 1967 von Frei Otto. Diese Sonderanfertigung war einem bekannten New Yorker Inneneinrichter den Schätzpreis von € 7.000 wert. In einem Haushalt in Potsdam hingegen wird ein imposanter Tisch mit Travertinplatte und Bronzefuß ein neues Zuhause finden. Vom belgischen Designer Jules Wabbes in den 1960er Jahren entworfen wurde er knapp unter dem Schätzpreis für € 5.700 zugeschlagen. Angelo Mangiarottis, ganz aus Marmor gefertigten Tisch ‚M’ (Entwurf 1969, Schätzpreis € 3.000) konnte sich für € 3.500 ein Londoner Händler sichern.

Lebhaftes Interesse bestand außerdem auch an Lampen und Leuchten italienischer Entwerfer. Fabio Lencis Tischlampe ‚Lucciola’ (Entwurf 1972, Schätzpreis € 1.100) steigerte sich auf € 1.600, Angelo Lellis ‚Cobra’-Tischleuchte (Entwurf 1962, Schätzpreis € 2.000) erbrachte € 1.800. Für € 1.700 erfolgte der Zuschlag an ein deutsches Museum für zwei Arredoluce-Tischlampen #205 aus den 1960er Jahren (Schätzpreis € 1.500); € 1.500 war einem australischen Sammler die Tischleuchte ‚Katiuscia’, 1969 von Gianni Celada entworfen, wert. Drei deutsche und ein französischer Händler wetteiferten um die extrem seltene Deckenlampe ‚Calotta’ des Designers Joe Colombo (Entwurf 1964). Für € 2.300, mehr als das Doppelte der Schätzung (€ 1.000) wird sie nun eine Kölner Designgalerie beleuchten.

Sonderbewegungen gab es auch bei Verner Pantons ‚VP-Globe’ Leuchte (Entwurf 1969) und einer schwarz-weiß Lithographie ‚Nu de Vence’ (1962, Exemplar 37/50) von Marc Chagall. Pantons ‚Leuchtkugel’ in der äußerst raren Ausführung mit großem Durchmesser (60 cm), konnte sich von geschätzten € 1.500 auf € 2.300 steigern; Chagalls Lithographie fand erst nach längerem Bietgefecht ein neues Zuhause; weit über dem Schätzpreis von € 1.600, sicherte sich ein österreichischer Galerist die Arbeit für € 3.900.

Wenn Sie sich für mehr Information über das Bauhaus interessieren, lesen Sie doch unser neues Buch:

Bernd Polster, Askan Quittenbaum (Hrsg.), bauhaus design, Köln 2009 mit einem Überblick über alle wichtigen Bauhaus-Designer und Entwürfe.