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Kunst schätzen
Chryselephantin-Skulpturen
Skulpturen – Idealfiguren und Zeitdokumente zugleich.
Seit tausenden von Jahren hat der Mensch Bildnisse von sich geschaffen, in Form von Malerei, Holz- und Elfenbeinschnitzerei, Bildhauerei oder Guß. Zunächst galt das besondere Augenmerk hochgestellten Persönlichkeiten oder Göttern, die in ihrer sorgfältigen Darstellung zu allgemein gültigen Schönheitsidealen wurden. Gerne fügten die Bildhauer dabei verschiedene wertvolle Materialien zusammen, um die Kostbarkeit dieser Statuen noch zu unterstreichen. So z. B. vergoldete Bronze und Elfenbein. Diese Technik wird Chryselephantin(Chrys = Gold; elephantinos = aus Elfenbein), genannt und wurde in dieser uns bekannten Form zum ersten Mal um 1855 verwendet. Sie erfreute sich ab der Jahrhundertwende bis weit in die 1920er Jahre hinein großer Beliebtheit.
Quittenbaum Kunstauktionen kann in seiner Jugendstil / Art Déco-Auktion am 28. April 2009 unter zahlreichen hochwertigen Skulpturen auch etwa ein Dutzend dieser Elfenbein- und Chryselephantin-Figuren anbieten.
Dabei sind zwei Gruppen von Figuren besonders hervorzuheben:
Zum einen gibt es die traditionelle Form der Darstellung von Idealfiguren, wie z. B. der von Jean-Bernard (Joé) Descomps um 1900 entworfene Frauenakt, der (spiegelbildlich) die 'Venus Pudica' des Cnidus aus dem 1. Jahrhundert vor Christus zum Vorbild hat. Unser Exemplar ist ganz aus Elfenbein geschnitzt und von einer besonderen Eleganz, auch der Sockel ist mit Bedacht gewählt, aus schwarz-braunem Elfenbein und eingelegtem Onyx (Abb.3, Schätzpreis 3800 €).
Zum anderen wird das ‚wahre’ Leben abgebildet: Sei es das der Kinder, wie die kleine Figur 'Hoop Girl', des bekannten Berliner Bildhauers Ferdinand Preiss, um 1930, die – einerseits - keck – andererseits – schüchtern, Ihren Hula-Hoop-Reifen hinter sich mit beiden Händen hält, die Kleidung aus versilberter und vergoldeter Bronze, Kopf, Arme und Beine aus Elfenbein, liebevoll und präzise geschnitzt (Abb 4, Figur links, Schätzpreis 4500,-- €), oder das der Erwachsenen, die die 'Golden Twenties' in vollen Zügen geniessen.
Prominentester Vertreter dieser Richtung ist der aus Rumänien stammende Demètre H. Chiparus, der ab 1912 in Paris lebte und dort mit allen Bevölkerungsschichten in Kontakt kam. Sein besonderes Augenmerk galt aber dem Theater und dem Varieté. Seine Tänzerinnen sind authentische Zeugnisse der 'Années Folles' vor der ersten Weltwirtschaftskrise 1929. Ein schönes Beispiel dafür ist die Figur 'Empreintes de Pied', das eine Tänzerin in Pose zeigt. Die Füße hintereinander in Schrittstellung, der Oberkörper weit nach hinten gebogen, die Arme fast vertikal im 180°-Winkel gestreckt. Das Gewand ist reich verziert, das Oberteil kupfern patiniert, der Rock golden mit silbernen Tupfen; auf ihrem Kopf trägt sie ein reich verziertes Tuch. Kopf, Hände, Bauch und Füße sorgfältig geschnitzt. Der Sockel auch hier aus verschiedenen erlesenen Steinen; schachbrettartig inkrustiert. (Abb. 5, Schätzpreis 18.000€).
Diese 'ruhige' Figur kontrastiert wunderbar mit der ungefähr gleichzeitig entstanden 'Danseuse à la chaîne', eine halbbekleidete junge Frau mit 'ägyptischem' Kopfschmuck, auf einem Bein balancierend, die mit Ketten verbundenen Arme weit auseinander gebreitet – eine Figur voller Spannung, fast erwartet man augenblicklich, dass Bewegung in sie kommt. Auch hier bemerkt man die gewissenhafte Ausführung aller, und besonders der elfenbeinernen Teile (Abb. 6, Schätzpreis 12.000 €).
Abschließend kann man sagen, dass Chryselephantin-Skulpturen dieser Epoche durch den Einfallsreichtum ihres Entwurfs und ihre handwerkliche Qualität nie aus der Mode kommen werden.









